Darmkrebs

Keine Empfehlung für Prävention mit ASS

Kann die tägliche Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) vor Darmkrebs schützen? Diese Frage wurde schon des Öfteren gestellt und die Einnahme teilweise als Prophylaxe empfohlen. Ein Cochrane-Review hat hierzu nun eine klare Empfehlung verfasst, denn die Risiken überwiegen den Nutzen deutlich. 

©meeboonstudio/stock.adobe.com Gesunder Darm durch ASS? So einfach ist es leider nicht. Weder die Inzidenz noch die Mortalität konnten durch die Einnahme von ASS deutlich gesenkt werden (Symbolbild).

Der Cochrane-Review untersucht Nutzen und Schaden von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), insbesondere Aspirin, zur Primärprävention von Darmkrebs und dessen Vorstufen in der Allgemeinbevölkerung. Hintergrund ist die anhaltende Kontroverse: Ein möglicher präventiver Effekt steht unsicheren Studienergebnissen und klaren Risiken gegenüber. 

Ausgewertet wurden zehn randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 124.837 Teilnehmenden mittleren oder höheren Alters. Die meisten erhielten täglich 75 bis 100 mg ASS, einige ältere Studien prüften höhere Dosierungen. Ursprünglich waren die Studien zur kardiovaskulären Prävention konzipiert, Darmkrebs war kein primärer Endpunkt.

Kein Schutz in den ersten Jahren

In den ersten fünf bis 15 Jahren der Einnahme senkte ASS die Darmkrebsinzidenz wahrscheinlich nicht. Einzelne Analysen deuten zwar darauf hin, dass sich nach mindestens 15 Jahren ein möglicher Vorteil zeigen könnte (12 statt 15 Neuerkrankungen pro 1.000 Personen). Die Vertrauenswürdigkeit dieser Langzeitdaten ist jedoch sehr gering, sodass sich dieses Ergebnis durch weitere Studien noch verändern kann.

Auch bei der Darmkrebssterblichkeit ergibt sich kein klares Bild: In den ersten zehn Jahren starben möglicherweise sogar mehr Menschen unter ASS an Darmkrebs (4 statt 2 pro 1.000). Nach 10 bis 15 Jahren zeigte sich kein Unterschied. Erst nach mindestens 15 Jahren könnte sich ein kleiner Vorteil ergeben (6 statt 8 Todesfälle pro 1.000), allerdings basiert auch dieses Resultat auf sehr unsicherer Evidenz.

Blutungsrisiko klar belegt

Dem potenziell unsicheren Langzeitnutzen steht ein gut belegtes Risiko gegenüber: Schwere extrakranielle Blutungen, wie etwa Magen-Darm-Blutungen mit Krankenhausbehandlung oder Transfusion, traten unter ASS häufiger auf. Im Studienzeitraum kam es zu 12 schweren Blutungen pro 1.000 Personen mit ASS, verglichen mit 8 pro 1.000 ohne ASS. Das entspricht vier zusätzlichen schweren Blutungen pro 1.000 Behandelten. Diese Evidenzrate gilt als hoch.
Auch das Risiko für hämorrhagische Schlaganfälle steigt wahrscheinlich leicht an (3 statt 2 Fälle pro 1.000; moderate Evidenz).

Keine Empfehlung für die Allgemeinbevölkerung

Die Autorinnen und Autoren betonen daher, dass eine breite Anwendung von ASS in der Allgemeinbevölkerung zur Darmkrebsprävention durch die aktuelle Evidenz nicht gestützt wird. Ein möglicher langfristiger Nutzen müsse sorgfältig gegen das klar belegte Blutungsrisiko abgewogen werden. ASS solle daher nicht ohne ärztliche Beratung allein zur Krebsprävention eingenommen werden. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam eine kürzlich veröffentliche Langzeitstudie, die den Einfluss von ASS auf Krebs generell untersuchte (der änd berichtete).

Weitere Langzeitdaten aus laufenden und bereits abgeschlossenen Studien könnten die Bewertung künftig noch präzisieren, geben die Wissenschaftler abschließend zu bedenken.

 

Originalpublikation:
Cai Z, Meng Y, Yang W, Han Y, Cao D, Zhang B. Aspirin and other nonsteroidal anti‐inflammatory drugs (NSAIDs) for preventing colorectal cancer and colorectal adenoma in the general population. Cochrane Database of Systematic Reviews 2026, Issue 2. Art. No.: CD015266. Accessed 26 February 2026.
DOI: 10.1002/14651858.CD015266.pub2.

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