Übergewicht und Wechseljahre

Kampf den erhöhten Transaminasen

Die nicht-alkoholische Fettleber kommt bei postmenopausalen Frauen mit Adipositas überdurchschnittlich häufig vor und geht typischerweise mit erhöhten Leberwerten einher. Forschende haben nun untersucht, ob man der Fettleber „davon walken“ kann. Das Ergebnis stimmt zuversichtlich, wenn es auch kein Allheilmittel darstellt. 

©Kletr/stock.adobe.com Schaden kann es nicht: Wenn die Ergebnisse auch vorerst als funktionelle Anpassung und nicht als Therapie gewertet werden, so ist Walking doch sicher und alltagstauglich (Symbolbild).

Die Postmenopause ist mit tiefgreifenden hormonellen Veränderungen verbunden, die zahlreiche metabolische Prozesse beeinflussen. Sinkende Östrogenspiegel fördern Gewichtszunahme, Insulinresistenz, Dyslipidämie und eine systemische, niedriggradige Entzündung. Letztere zeigt sich unter anderem in erhöhten Spiegeln von Interleukin-6, TNF-α, C-reaktivem Protein (CRP) und einer gesteigerten Blutsenkungsgeschwindigkeit. Diese inflammatorische Konstellation erhöht das Risiko für kardiometabolische und hepatische Erkrankungen.

Pharmakologische und hormonelle Therapien zeigen jedoch uneinheitliche Effekte und können Nebenwirkungen verursachen. Entsprechend wächst das Interesse an sicheren, niedrigschwelligen, nicht-medikamentösen Strategien zur Unterstützung der metabolischen und hepatischen Gesundheit. Körperliche Aktivität gilt dabei als besonders vielversprechend.

Forschende haben daher nun untersucht, ob ein moderates Walking-Training auch schon helfen kann, die Stoffwechselsituation zu verbessern. Die Ergebnisse wurde im European Journal of Sport Science veröffentlicht.

Zehn Wochen Walking verbesserte Leberwerte

In der Studie wurden 36 zuvor inaktive Frauen (Durchschnittsalter 55,7 Jahre; BMI 34 kg/m²) entweder einer Trainingsgruppe oder einer Kontrollgruppe zugeteilt. Die Interventionsgruppe absolvierte über zehn Wochen hinweg viermal pro Woche ein moderates Intervall-Walking (MIWT) von jeweils rund 85 Minuten. Die Belastungsphasen entsprachen 60 bis 80 Prozent der im 6-Minuten-Gehtest erreichten Distanz, unterbrochen von aktiver Erholung.

Nach Abschluss der Intervention zeigten sich in der Trainingsgruppe signifikante Verbesserungen zentraler hepatischer Parameter und des Stoffwechsels:

  • Die Werte für Alanin-Aminotransferase (ALT), Aspartat-Aminotransferase (AST) und Gamma-Glutamyl-Transferase (GGT) sanken signifikant.
  • Auch das Gesamtbilirubin veränderte sich günstig. Parallel dazu reduzierte sich das C-reaktive Protein (CRP) als Marker systemischer Entzündung deutlich.
  • Zusätzlich verbesserte sich die Körperzusammensetzung: Körpergewicht, BMI, Körperfettanteil und Taillenumfang nahmen signifikant ab.
  • Gleichzeitig stieg die aerobe Leistungsfähigkeit messbar an.

Eher Anpassung als Verbesserung

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass moderates Intervall-Walking eine praktikable, kostengünstige und nicht-pharmakologische Option darstellt, um bei postmenopausalen Frauen mit Adipositas sowohl leberbezogene Stoffwechselparameter als auch Entzündungsprozesse günstig zu beeinflussen. Gleichzeitig relativieren die Forschenden die klinische Tragweite: Die Effektstärken waren überwiegend klein, und die Ausgangswerte lagen größtenteils im Normbereich. Die beobachteten Veränderungen sind daher eher als frühe physiologische Anpassungen denn als direkte klinische Funktionsverbesserungen zu interpretieren.

Aber: Stoffwechsel dennoch zum Positiven verändert

Die Reduktion von Körpergewicht, Fettmasse und Taillenumfang gilt dennoch als metabolisch relevant. Gerade in der Postmenopause, die durch Fettumverteilung und viszerale Adipositas gekennzeichnet ist, können selbst moderate Verbesserungen langfristig günstige Effekte auf Insulinsensitivität, Lipidstoffwechsel und systemische Inflammation haben. Besonders hervorzuheben sei die signifikante CRP-Reduktion trotz normwertiger Ausgangswerte, so die Autorinnen und Autoren. Da niedriggradige Inflammation als Treiber kardiometabolischer Erkrankungen gilt, könnten selbst moderate CRP-Abnahmen langfristig protektiv wirken.

Maßnahme ohne Nachteile

Insgesamt werten die Forschenden MIWT als sichere, praktikable und alltagstaugliche Intervention, die auch unter Real-World-Bedingungen umsetzbar ist. Die beobachteten Veränderungen markieren zwar eher moderate Anpassungen, unterstreichen jedoch das Potenzial strukturierter Bewegung zur Beeinflussung metabolischer und inflammatorischer Risiken in der Postmenopause. Zukünftige Studien sollten längere Interventionszeiträume, direkte Leberdiagnostik und klinisch relevante Endpunkte berücksichtigen, raten die Wissenschaftler.

 

Originalpublikation:
Abassi, Wissal, Nejmeddine Ouerghi, Antonella Muscella, Moncef Feki, and Anissa Bouassida. 2026. “ Moderate-Intensity Intermittent Walking Improves Liver-Related Biomarkers and Reduces Inflammation in Postmenopausal Women With Obesity: A Randomized Controlled Study,” European Journal of Sport Science: e70147. https://doi.org/10.1002/ejsc.70147.

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