„RED-S“

Keine Energie für die Periode

Wenn bei sportlich hochaktiven Frauen - sei es im Leistungssport oder im ambitionierten Freizeitsport - die Periode ausbliebt, ist dies als Warnsignal zu werten. Auch wenn manche es sogar erleichternd finden, sich nicht mit der Monatsblutung „herumschlagen“ zu müssen, so zeigt das „relative energy deficiency in sports“-Syndrom ein deutliches hormonelles Ungleichgewicht mit multiplen möglichen Folgeerkrankungen auf.

©Pixel-Shot/stock.adobe.com Das Ausbleiben der Periode durch exzessiven Sport ist der Ausdruck einer komplexen Störung und kein Marker für den Fitnesszustand einer Frau (Symbolbild).

„Die sportassoziierte Amenorrhoe tritt besonders häufig bei sportlich hochaktiven jungen Frauen auf. Sie beschreibt das Ausbleiben der Menstruation infolge intensiver körperlicher Aktivität. Meist ist der Energieverbrauch dauerhaft höher als die Energieaufnahme. Chronischer körperlicher und mentaler Stress verstärkt diesen Effekt“, erklärt Dr. Imke Mebes, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe am Endokrinologikum Kiel in einer Pressekonferenz anlässlich des 69. Deutschen Kongresses für Endokrinologie in Weimar. 

Hintergrund: Amenorrhoe

Grundsätzlich kann zwischen der primären und der sekundären Amenorrhoe unterschieden werden. Während die primäre Amenorrhoe das Ausbleiben der Menarche bis zum vollendeten 16. Lebensjahr beschreibt, handelt es sich bei der sekundären Amenorrhoe um das Fehlen der Blutungen länger als drei Monate bei zuvor regelmäßigem Zyklus, oder länger als sechs Monate bei zuvor unregelmäßigem Zyklus. Erfahrungsgemäß kommt im Leistungssport die primäre Amenorrhoe häufiger im Kunstturnen, die sekundäre Amenorrhoe auch bei ambitionierten Ausdauersportlerinnen vor, die beispielsweise für einen Marathon trainieren. 

Unmittelbar nach der Menarche und vor der Menopause können sehr unregelmäßige Zyklen auftreten. „Alle Amenorrhoen dazwischen sollten ärztlich abgeklärt werden“, erklärt Mebes. Insbesondere das aktive Ansprechen und Aufklären sei wichtig, betont sie. „Oft sagen Frauen, dass sie das Ausbleiben der Regel nicht stört. Dabei hat das mehr Auswirkungen als gedacht!“

Folgen sind multisystemisch

Denn ein regelmäßiger Menstruationszyklus zeigt, dass Hormone und Energiehaushalt im Gleichgewicht sind. Besteht ein dauerhaftes Missverhältnis zwischen Energieaufnahme und -verbrauch, werden nicht als lebensnotwendig eingestufte Funktionen eingestellt. Ursächlich besteht ein Ungleichgewicht zwischen Leptin aus dem Körperfett, GnRH - das pulsatil LH und FSH steuert - und Ghrelin als Hungerhormon. Zudem liegen häufig ein erhöhter Cortisolspiegel und ein erniedrigtes Wachstumshormon IGF vor. In der Folge bleibt der Eisprung und somit die Periode aus. Dann fehlt auch Östrogen - mit all seinen Folgen für die Psyche, den Knochenstoffwechsel und das kardiovaskuläre System. 

Gerade in jungen Jahren ist das problematisch, denn die Peak Bone Mass - die maximale Knochendichte - kann so nicht bis im frühen Erwachsenenalter aufgebaut werden und es kommt früher im Leben zu Osteoporose. 

Abklärung und Therapie nicht verzögern

Spätestens nach drei Monaten sollte ein dauerhaftes Ausblieben der Periode durch Sport abgeklärt werden. Treten Komplikationen auf, wie beispielsweise eine Fraktur, ist eine ärztliche Vorstellung schon früher sinnvoll. 

Die Endokrinologin rät zu einem kausalen Therapieansatz. Es sei wichtig, neben dem Ersatz der Hormone das Energiedefizit auszugleichen und den Trainingsumfang zu besprechen. Je früher eingegriffen werde, desto schneller könne der Körper zu seiner pulsatilen GnRH-Ausschüttung zurückkehren. 

Vermehrtes öffentliches Bewusstsein

Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) appelliert, Zyklusstörungen nicht zu verharmlosen. Die Amenorrhoe zeige nicht eine besondere Fitness an, sondern sei ein Warnsignal, das abgeklärt werden müsse. 

Mebes sieht aber Lichtblicke in der öffentlichen Wahrnehmung: „Inzwischen wird das Thema Periode auch bei großen Sportveranstaltungen wie Olympia nicht mehr ausgeklammert.“ Sie begrüßt diese Entwicklung, sieht aber noch Verbesserungsmöglichkeiten. Denn immer noch würden Frauen mit einem normalen Körpergewicht als zu dick oder zu unästhetisch - beispielsweise für den Eiskunstlauf - bezeichnet werden. Oder die Erwähnung der Periode durch Sportlerinnen werde von Kommentatoren als „Ausrede“ für schlechtere sportliche Leistungen bezeichnet. 

 

Kongress der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie, 11. bis 13. März in Weimar. Informationen: https://www.dge2026.de/

 

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