Deutliche Risikoreduktion

Eine Tasse mehr Gemüse für das Herz - und eine Handvoll Schlaf

Ein um bis zu 57 Prozent reduziertes Risiko für schwere Herzereignisse könnte jedem möglich sein - durch so geringfügige Veränderungen des Verhaltens, dass sie leicht in den Alltag zu integrieren sind. Das zeigt eine aktuelle Studie, die im European Journal of Preventive Cardiology veröffentlicht wurde.

©PAstudio/stock.adobe.com Einfach und effektiv: Ein bisschen mehr Schlaf, Gemüse und Bewegung ist förderlich für die Herzgesundheit (Symbolbild).

Die Untersuchung basiert auf Daten von mehr als 53.000 Erwachsenen aus der UK Biobank, die über einen Zeitraum von acht Jahren beobachtet wurden. Im Fokus standen die drei zentralen Lebensstilfaktoren Schlaf, körperliche Aktivität und Ernährung, die erstmals nicht isoliert, sondern in ihrem Zusammenspiel ausgewertet wurden.

Grundlage waren unter anderem Daten aus Wearables zur Erfassung von Schlaf und Bewegung sowie Ernährungsangaben aus Fragebögen, aus denen ein Ernährungsqualitäts-Score berechnet wurde. Eine günstige Ernährung war dabei durch einen höheren Konsum von Gemüse, Obst, Fisch, Vollkornprodukten und pflanzlichen Ölen sowie einen geringeren Verzehr von stark verarbeiteten Lebensmitteln, rotem Fleisch und zuckerhaltigen Getränken gekennzeichnet.

4,5 Minuten mehr Bewegung, ein bisschen mehr Gemüse

Schon kleine Anpassungen zeigten messbare Effekte:

  • Wer täglich im Schnitt elf Minuten länger schlief, zusätzlich 4,5 Minuten moderat bis intensiv körperlich aktiv war und etwa eine Vierteltasse mehr Gemüse konsumierte, zeigte ein um rund zehn Prozent geringeres Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herzinsuffizienz.
  • Noch deutlicher fiel der Effekt bei einer optimalen Kombination aus: Acht bis neun Stunden Schlaf pro Nacht, mindestens 42 Minuten körperliche Aktivität pro Tag und eine insgesamt ausgewogene Ernährung gingen mit einem um 57 Prozent reduzierten Risiko einher - verglichen mit Personen mit ungünstigem Lebensstilprofil. Als moderate bis intensive Aktivität zählen dabei auch alltagsnahe Bewegungen wie zügiges Gehen, Treppensteigen oder das Tragen von Einkäufen.

Kleine Änderungen sind leichter umsetzbar

„Die Kombination kleiner Veränderungen in verschiedenen Bereichen unseres Lebens kann einen überraschend großen positiven Einfluss auf die Herzgesundheit haben“, erklärte Dr. Nicholas Koemel von der University of Sydney. „Das ist eine ermutigende Nachricht, denn mehrere kleine Anpassungen sind für die meisten Menschen eher umsetzbar und nachhaltiger als eine einzige große Veränderung.“

Auch langfristig könnten solche schrittweisen Anpassungen entscheidend sein: „Selbst moderate Veränderungen im Alltag dürften kardiovaskuläre Vorteile bringen und zugleich den Weg für weitere Verhaltensänderungen ebnen. Kleine Schritte sollten nicht unterschätzt werden“, betont der Forscher.

Entwicklung digitaler Alltagshelfer

Das nächste Ziel sei nun, so Prof. Emmanuel Stamatakis, Seniorautor der Studie (Monash University), digitale Tools zu entwickeln, um Menschen dabei zu unterstützen, gesunde Gewohnheiten nachhaltig in ihren Alltag zu integrieren. Es gelte, die typischen Hürden des Alltags bei Lebensstiländerungen zu überwinden.

Die Autoren betonen jedoch, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handle. Ein kausaler Zusammenhang lasse sich daher nicht sicher belegen und weitere Studien seien notwendig, um die Ergebnisse zu bestätigen. Dennoch unterstreiche die Analyse die Bedeutung eines ganzheitlichen Ansatzes: Schlaf, Bewegung und Ernährung beeinflussen sich gegenseitig, und sollten daher auch gemeinsam betrachtet werden.

 

Originalpublikation:
N.A. Koemel et al., Combined Variations in Sleep, Physical Activity, and Nutrition and the Risk of Major Adverse Cardiovascular Events, European Journal of Preventive Cardiology. 
https://academic.oup.com/eurjpc/article-lookup/doi/10.1093/eurjpc/zwag141 

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