Geistesblitze

Ein Plädoyer für die Powernaps

Eine bestimmte Schlafphase hilft dabei, Probleme zu lösen. Das Schöne ist: Diese Phase tritt schon bei einem kurzen Nickerchen auf und kann regelrechte Geistesblitze hervorbringen. Das fand eine Studie aus Hamburg heraus.

©Yuliia/stock.adobe.com Hierzulande sind Powernaps am Arbeitsplatz eher verpönt - dabei können sie die Leistung steigern und sogenannte Aha-Momente fördern. In manchen Ländern, z.B. Japan, gilt der sogannte Inemuri - ein Nickerchen am Arbeitsplatz - als Zeichen für Arbeitseinsatz (Symbolbild).

Auf die Einschlafphase (N1) folgte die sogenannte N2-Schlafphase. Sie tritt mehrfach in der Nacht auf und ist durch wenig Träumen gekennzeichnet. Anschließend folgt der Tiefschlaf (N3) und der REM-Schlaf. Diese Phasen sind nicht streng voneinander abgegrenzt und gehen im Laufe der Nacht mehrfach ineinander über.

Forschende der Universität Hamburg haben eine Versuchsreihe durchgeführt, um den Zusammenhang von Schlaf und sogenannten Aha-Momenten zu untersuchen. Diese Geistesblitze, also plötzliche, tiefgreifende Einsichten, die zu drastischer Leistungssteigerung führen, sind bislang noch nicht grundlegend erforscht.

Die Studie wurde auf der Plattform PLOS Biology veröffentlicht.

Nächtliche Aufmerksamkeit gefordert

Für die Studie untersuchten die Forschenden 90 Probandinnen und Probanden, die um 1:00 Uhr in der Nacht Aufgaben am Bildschirm bewältigen sollten. Für den Versuch sollten die Teilnehmenden in der Zeit vor der Messung weniger schlafen und kein Koffein konsumieren.
Im Laufe des Versuchs durften sie ein Powernap machen - 70 Prozent der Teilnehmenden fielen prompt in den Schlaf. Anschließend sollten sie abermals die gleichen Aufgaben lösen, die aber in bestimmten Parametern unauffällig geändert worden waren. Während der Zeit wurden EEG-Aufzeichnungen durchgeführt.

Geistesblitze nur in N2

Von denjenigen, die bei ihrem Powernap in die Schlafphase N2 gekommen waren, hatten 86 Prozent sofort die veränderten Parameter wahrgenommen. Von denjenigen, die nur die Einschlafphase N1 erreicht hatten, waren es 69 Prozent. Und bei den Nicht-Schläfern realisierten nur 56 Prozent die Unterschiede. Anhand der aufgezeichneten EEGs und der damit aufgezeichneten Schlafphasen konnten die Forschenden abschätzen, welche Personen einen Geistesblitz erleben werden.

„Wir konnten beobachten, dass die von uns gemessene Hirnaktivität während des Schlafs mit der Wahrscheinlichkeit eines anschließenden Aha-Moments korrelierte“, so Dr. Anika Löwe, eine der beiden Hauptautorinnen der Studie.

Fazit: Schlafen erlaubt

Die Daten erlauben also einen Rückschuss: Wer einen Geistesblitz herbeisehnt, sollte ein Nickerchen machen - allerdings muss für die Aha-Momente die tiefere Schlafphase erreicht werden. Zukünftige Forschung soll nun klären, wie das EEG bei solchen Geistesblitzen konkret aussieht und welche neuronalen Netzwerke beteiligt sind.

 

Originalpublikation: Löwe AT, Petzka M, Tzegka MM, Schuck NW (2025) N2 sleep promotes the occurrence of ‘aha’ moments in a perceptual insight task. PLoS Biol 23(6): e3003185.
https://doi.org/10.1371/journal.pbio.3003185

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