Aus PCOS wird PMOS
Das bisher als polyzystisches Ovarialsyndrom bekannte Krankheitsbild soll künftig als „polyendocrine metabolic ovarian syndrome“ (PMOS) bezeichnet werden. Der Begriff PCOS spiegle nicht die multisystemische Pathologie wider. Die Umbenennung solle die Versorgung verbessern und Stigmatisierung reduzieren, betonen internationale Fachgesellschaften.
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Ein neuer Fokus: Frauen, die im Ultraschall keine „Zysten“ aufweisen, wurden oft nicht korrekt diagnostiziert. Mit dem Schwerpunkt auf den Stoffwechsel soll sich das nun ändern (Symbolbild).
Die internationale Umbenennung basiert auf einem breit angelegten globalen Konsensprozess und soll die Erkrankung präziser beschreiben, Stigmatisierung reduzieren und die Versorgung verbessern, betonen die Autoren in einem Positionspapier, das in The Lancet veröffentlicht wurde.
Das bislang verwendete Akronym PCOS („polycystic ovary syndrome“) gilt nach Einschätzung der beteiligten Fachleute zunehmend als irreführend. Der Begriff suggeriere primär pathologische Ovarialzysten, obwohl die Erkrankung wesentlich komplexer sei und zahlreiche endokrine sowie metabolische Komponenten umfasse. Nach Ansicht der Autorengruppe habe die bisherige Terminologie dazu beigetragen, dass Diagnosen verzögert gestellt, Behandlungsansätze fragmentiert und die multisystemische Natur der Erkrankung unterschätzt würden. Zudem habe die Bezeichnung Stigmatisierung gefördert und Forschung sowie gesundheitspolitische Einordnung eingeschränkt.
Nicht viele Zysten, sondern Follikel
PMOS betrifft etwa jede achte Frau weltweit und zählt damit zu den häufigsten endokrin-metabolischen Erkrankungen im reproduktiven Alter. Entgegen der weit verbreiteten Annahme – die auch der Name suggeriert – sind nicht besonders viele Zysten im Ovar vorhanden, sondern unreife Follikel und ein erhöhtes Ovarvolumen.
Vor diesem Hintergrund war bereits zuvor international ein Mandat für eine mögliche Namensänderung formuliert worden. Die nun vorgestellte Initiative beschreibt den bislang umfassendsten strukturierten Konsensprozess zu diesem Thema.
56 Fachgesellschaften und Organisationen beteiligt
An dem Verfahren waren 56 führende akademische, klinische und Patientenorganisationen beteiligt, unter anderem auch die Europäische Fachgesellschaft für Endokrinologie (ESE) und die Europäische Fachgesellschaft für Reproduktionsmedizin und Embryologie (ESHRE).
In die weltweiten Umfragen flossen Angaben von insgesamt 14.360 Personen mit PCOS sowie von multidisziplinären Gesundheitsfachkräften aus allen Weltregionen ein. Ziel war es, Kriterien für eine neue Krankheitsbezeichnung zu definieren. Priorisiert wurden dabei wissenschaftliche Genauigkeit, Verständlichkeit, kulturelle Angemessenheit, geringe Stigmatisierungsgefahr und praktische Implementierbarkeit. Die Beteiligten entschieden sich bewusst gegen die Beibehaltung des etablierten Akronyms PCOS und auch gegen einen sehr allgemeinen Oberbegriff. Stattdessen sollte die neue Terminologie die zugrunde liegende Pathophysiologie möglichst präzise widerspiegeln.
Fokus auf Stoffwechsel und endokrine Fehlsteuerung
Die schließlich konsentierte Bezeichnung „polyendocrine metabolic ovarian syndrome“ vereint nach Darstellung der Autorengruppe drei zentrale Krankheitsdimensionen: endokrine Dysregulation, metabolische Störungen und ovarielle Funktionsveränderungen. Durch den Verzicht auf den Begriff „zystisch“ werde die diagnostische Fehlinterpretation reduziert und das multisystemische Krankheitsbild besser abgebildet.
Auch die Umsetzung der neuen Terminologie wurde bereits vorbereitet. Die Implementierungsstrategie sieht einen schrittweisen Übergang statt eines abrupten Wechsels vor. Geplant sind unter anderem internationale Bildungsmaßnahmen, Anpassungen in Gesundheitssystemen und eine Angleichung an bestehende Krankheitsklassifikationen. Die Einführung der neuen Bezeichnung läuft nach Angaben der Autorinnen und Autoren bereits an und soll auch in der neuen Leitlinie, die 2028 erscheint, Eingang finden.
Originalpublikation:
Helena J Teede, Mahnaz Bahri Khomami, Rachel Morman, Joop S E Laven, Anju E Joham, Michael F Costello, et al., Polyendocrine metabolic ovarian syndrome, the new name for polycystic ovary syndrome: a multistep global consensus process, Published May 12, 2026,
DOI: 10.1016/S0140-6736(26)00717-8
Piltonen TT, Kuusiniemi E, Teede H, WENDY Research Group study group. Ovarian Cysts in Polycystic Ovary Syndrome. JAMA Intern Med. Published online May 11, 2026.
doi:10.1001/jamainternmed.2026.1370