Ziemlich unbekannt:

Was tun bei Vulvodynie?

Die Vulvodynie ist in Deutschland nicht als Krankheit klassifiziert. Auch ist sie insgesamt wenig bekannt, sodass Betroffene kaum Aufklärung und Hilfe erfahren. Oft fühlen sie sich auch wenig empathisch behandelt. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat einen Überblick über die Erkrankung verfasst und rät zur Aufnahme der Vulvodynie in offizielle Klassifizierungen. 

©SENTELLO/stock.adobe.com Keine klassifizierte Krankheit: Die Vulvodynie geht mit Brennen, Stechen oder Jucken einher, ohne dass konkrete Ursachen gefunden werden können (Symbolbild).

Die Vulvodynie betrifft meist Frauen im gebärfähigen Alter und äußert sich durch Brennen, Stechen oder starken Juckreiz im Bereich der äußeren Geschlechtsorgane. Manche Frauen beschreiben auch messerstichartige Schmerzen oder ein Gefühl von Stromstößen im Intimbereich. Für die Diagnose einer Vulvodynie müssen die Beschwerden seit mindestens drei Monaten bestehen und keine anderen Ursachen vorliegen.

Da die Schmerzen häufig schon bei leichten Reizen auftreten, sind teilweise alltägliche Aktivitäten wie Radfahren schon unmöglich. Auch sexuelle Aktivitäten sind für viele betroffene Frauen undenkbar. Der Einfluss auf die Lebensqualität ist erheblich, und nicht selten gesellen sich zu den körperlichen Beschwerden auch psychische Belastungen hinzu. 

Ursache: weitgehend unbekannt 

Die Ursachen für die Vulvodynie sind nicht gänzlich bekannt. Es werden chronische Entzündungen und auch psychosoziale Faktoren in Erwägung gezogen, mit der Folge von erhöhtem Schmerzempfinden und auch einem erhöhten Muskeltonus im Beckenbereich.

Die Diagnose erfolgt oft verspätet. Problematisch ist zudem, dass es keine klare Therapieempfehlung gibt und auch die Kosten für mögliche Behandlungsansätze nicht übernommen werden. 

Das IQWiG hat nun systematisch medizinische Maßnahmen zur Behandlung der Vulvodynie bewertet. Insgesamt sind 17 Studien mit 13 verschiedenen nicht medikamentösen Behandlungen untersucht worden. Hiervon waren fünf Studien zu psychotherapeutischen Verfahren, drei Studien zu Verfahren der Beckenbodentherapie, zwei Studien zu Akupunktur, fünf Studien zu anderen Anwendungen wie bspw. zur extrakorporalen Stoßwellen- und transkraniellen Gleichstromtherapie und zwei Studien zur Lasertherapie. 

Psychotherapie

In Studien wurde ermittelt, dass das psychotherapeutische Verfahren „Onlinebasierte Akzeptanz- und Commitmenttherapie“ die sexuelle Belastung der Betroffenen reduzieren kann, was sich schließlich auch auf das psychische Wohlbefinden auswirken kann. Vergleichen wurde das Verfahren mit Personen auf der Warteliste für eine Therapie und mit Frauen, die eine Regelversorgung und Physiotherapie erhielten. 

Physiotherapie

Beckenbodenübungen und manuelle Therapie wurden mit der schmerzlindernden Wirkung von Lidocain vergleichen. Es zeigte sich, dass die Maßnahmen womöglich helfen können, Schmerzen bei Geschlechtsverkehr zu reduzieren und die sexuelle Belastung zu verringern. Ferner kam es zu weniger unerwünschten Nebenwirkungen als unter Lidocain. 

Extrakorporale Stoßwellentherapie

Eine Studie verglich die ESWT mit einer Scheinbehandlung und fand eine Linderung der Schmerzen bei Berührung oder sexueller Aktivität. Nebenwirkungen traten nicht auf. 

Die transkranielle Gleichstromstimulation schien im Vergleich zu einer Scheinbehandlung die Schmerzen zu verstärken. 

Andere Verfahren

Für einige Verfahren ließen sich aufgrund methodisch schlechter Studien keine Ergebnisse erheben – weder positive noch negative. Diese waren kognitive Verhaltenstherapie, Elektromyografie-Biofeedback, Akupunktur, Lasertherapie, transkutane elektrische Nervenstimulation sowie psychosexuelle Beratung plus entsprechendes Informationsmaterial. 

Insgesamt sei die Aussagekraft aller Verfahren durch ein erhöhtes Verzerrungspotenzial hoch. 

Kostenübernahme

Die Vulvodynie hat im ICD-10 keine eigene Ziffer, daher erfolgt die Kostenübernahme in Deutschland nur auf Grundlage der Therapien gegen chronische Schmerzen. Die Autoren des Themenberichts empfehlen daher die Einführung eines eigenständigen Codes für das Krankheitsbild. Dies könnte die Abrechenbarkeit und auch die Aufklärung über die Erkrankung vereinfachen, schreiben sie in ihrem, Bericht. 

Die Kosten der Behandlung variieren sehr stark und reichen von mehreren Hundert Euro für selbst bezahlte Physiotherapie oder manuelle Therapie bis hin zu Lasertherapiekosten im Wert von über 1.000 Euro. Auch die Akzeptanz- und Commitmenttherapie muss aus eigener Tasche finanziert werden und verursacht Kosten etwa in Höhe von 30 bis 150 Euro pro Modul. 

 

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