änd-Umfrage

eAU stellt viele Praxen vor große Probleme

Seit 1. Juli 2022 müssen Vertragsärztinnen und -ärzte in ihren Praxen elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (eAUs) ausstellen. Die meisten der Niedergelassenen tun dies auch – allerdings läuft dabei bei weitem nicht alles reibungslos. Eine änd-Umfrage zeigt: Viele haben mit dem Vorgang große Probleme.

©LuckyImages, shutterstock Kommt es in einer Praxis beim Ausstellen der eAU zu technischen Problemen, lässt externe Hilfe oft lange auf sich warten.

Die änd-Redaktion wollte unter anderem wissen, wie viele der Leserinnen und Leser überhaupt eAUs ausstellen, wie gut dies funktioniert und wie sie die Anwendung generell bewerten.

Mehr als 900 Niedergelassene nahmen an der Umfrage teil. Die Mehrheit von ihnen (59 Prozent) gab an, eAUs in ihrer Praxis auszustellen. 31 Prozent tun dies sogar ausschließlich, während 28 Prozent nach eigener Aussage bei Bedarf auch noch Krankschreibungen in Papierform herausgeben.

Bemerkenswert ist jedoch, dass trotz Verpflichtung satte 41 Prozent der Umfrage-Teilnehmerinnen und -teilnehmer gar keine AUs in digitaler Form ausstellen. Als Grund gaben die meisten von ihnen an, nicht an die Telematikinfrastruktur (TI) angebunden zu sein. Aber auch technische Probleme oder das Fehlen der technischen Voraussetzungen spielen hier eine große Rolle.

Und wie klappt es bei denjenigen, die die eAU anwenden? Ein Blick auf die Umfrage-Ergebnisse zeigt: alles andere als reibungslos. Nur 22 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gaben an, dass alles gut funktioniere und sie keine oder kaum Probleme hätten. Ebenso 22 Prozent wählten die Antwort aus: „Es läuft noch nicht alles reibungslos, aber ich denke, das wird sich bald eingespielt haben.“

Die Mehrheit (55 Prozent) hingegen kämpft mit großen Problemen beim Ausstellen der eAU, zeigt die Umfrage. So klagen die meisten (80 Prozent) darüber, dass die notwendige Technik (Hardware/Software) nicht gut oder gar nicht funktioniere. Auch finden viele (56 Prozent), dass das Ausstellen der eAU zu viel Zeit in Anspruch nimmt. Dass es dem Praxispersonal (inklusive der Ärztin oder dem Arzt selbst) an notwendigen Kenntnissen für den reibungslosen Ablauf des Vorgangs mangele, gaben nur 21 Prozent an. Und 20 Prozent sagten, dass es viele Diskussionen mit Patientinnen und Patienten über die eAU gebe.

Ärzte fühlen sich mit Problemen oft allein gelassen

An schneller Hilfe bei technischen Problemen mit der eAU mangelt es den Umfrage-Ergebnissen zufolge offensichtlich auch: So kritisierten 43 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die regelmäßig mit Problemen bei der eAU zu kämpfen haben, dass externe Hilfe meist schwer zu bekommen sei und sie sich bei technischen Schwierigkeiten oft allein gelassen fühlten. 28 Prozent berichteten, dass sie in der Regel zwar schnell Hilfe bekämen, aber eine Behebung der technischen Probleme in den meisten Fällen viel Zeit in Anspruch nehme. Nur 15 Prozent teilten mit, dass sie technische Probleme mit externer Hilfe meist schnell lösen könnten. Und 14 Prozent kümmern sich nach eigenen Angaben selbst um die Problembehebung – ohne Unterstützung von außen.

Trotz aller Probleme: Die Akzeptanz der eAU bei den Patientinnen und Patienten ist offenbar nicht schlecht. So berichteten 35 Prozent der Niedergelassenen, dass die digitale Krankschreibung sehr gut bei ihren Patientinnen und Patienten ankomme und diese damit zufrieden seien. 30 Prozent gaben eine „teilweise“ gute Akzeptanz an und erklärten, dass einige Patientinnen und Patienten immer noch eine AU in Papierform haben wollten. Immerhin 23 Prozent sagten aus, dass keiner der Praxisbesucherinnen und -besucher per eAU krankgeschrieben werden wolle. Dass der Großteil ihrer Patientinnen und Patienten eine Krankschreibung in digitaler Form ablehne, gaben 12 Prozent der Befragten an.

Und wie bewerten die Niedergelassenen selbst die eAU? Hier gab der änd drei Antworten zur Auswahl. Überraschendes Ergebnis: Obwohl die Mehrheit der Umfrage-Teilnehmerinnen und -teilnehmer die eAU ausstellt, halten sie 57 Prozent der Befragten letztlich für „eine überflüssige Anwendung“, die am besten „abgeschafft“ gehört. Nur 13 Prozent sagten aus, dass es „eine sinnvolle Anwendung“ sei, die sie „schon komplett in meinen Praxisalltag integriert“ hätten. 29 Prozent sind zwar nicht vollständig überzeugt, geben der neuen Anwendung aber eine Chance. Ihrer Ansicht nach ist die eAU „im Prinzip sinnvoll“. Es werde aber „wohl noch einige Zeit dauern, bis sie zur Routine im Praxisalltag geworden ist“.

 

Die änd-Blitzumfrage lief vom 8. Bis zum 10. August 2022. An der Online-Erhebung beteiligten sich insgesamt 917 änd-Mitglieder – niedergelassene Haus- und Fachärzte aus dem gesamten Bundesgebiet.

Bei den folgenden Kommentaren handelt es sich um die Meinung einzelner änd-Mitglieder. Sie spiegeln nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion wider.

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