Zehn Jahre änd-Umfragen:

Ärztekammern bekommen weiterhin schlechte Noten

Seit zehn Jahren fragt der Ärztenachrichtendienst (änd) seine Leser, wie zufrieden sie mit ihren Landesärztekammern sind. Die Ergebnisse zeigen eine bemerkenswerte Konstanz: Bei der Aufgabe der Interessenvertretung und der Öffentlichkeitsarbeit gibt es nach wie vor dramatisch schlechte Noten. Auch halten rund zwei Drittel der Befragten ihre Kammerbeiträge für viel zu hoch.

 


Die Landesärztekammern haben bei einem erheblichen Teil der änd-Mitglieder offenbar ein dauerhaftes Akzeptanzproblem. Das zeigt eine aktuelle änd-Umfrage, an der sich 1.268 Ärztinnen und Ärzte beteiligt haben. Bereits im November 2016 und im September 2020 hatte der änd seine Leser mit denselben Fragen um eine Bewertung ihrer jeweiligen Landesärztekammer gebeten.

Der Vergleich mit den Vorbefragungen zeigt vor allem eines: Die Kritik an zentralen Leistungen der Kammern hält sich hartnäckig. Besonders bei der berufspolitischen Interessenvertretung und der Öffentlichkeitsarbeit fallen die Urteile seit Jahren schlecht aus. Die aktuellen Bewertungen sind zwar teilweise geringfügig besser als 2020, bewegen sich aber weitgehend auf dem Niveau der beiden früheren Befragungen.

Bei acht der zehn Fragen konnten die Teilnehmer ihre Kammer auf einer sechsstufigen Skala bewerten, die sich am Schulnotensystem orientierte. Die 1 stand für die beste, die 6 für die schlechteste Bewertung. Je höher der Durchschnittswert, desto schlechter also das Urteil.

Interessenvertretung bleibt ein Schwachpunkt

Zu einem wichtigen Aufgabenbereich der Ärztekammern gehört die Vertretung ärztlicher Interessen nach außen. Doch gerade hier fällt das Urteil der befragten Ärzte weiterhin kritisch aus.

Die aktuelle Durchschnittsnote beträgt 4,16. Damit bewegt sich die Bewertung zwischen „ausreichend“ und „mangelhaft“. Fast die Hälfte der Teilnehmer (48,9 Prozent) vergab eine 5 oder 6. Lediglich 17,1 Prozent entschieden sich für eine der beiden besten Noten.

Der Blick zurück zeigt, wie beständig diese Unzufriedenheit ist. Bereits 2016 lag die Durchschnittsnote bei 4,18, im Jahr 2020 bei 4,28. Zehn Jahre später fällt die Bewertung somit praktisch genauso aus wie zu Beginn der Befragungsreihe.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der berufspolitischen Kompetenz der Kammerführungen. Sie erhält aktuell die Durchschnittsnote 4,06, nach 4,18 im Jahr 2020 und 4,08 im Jahr 2016. Oder um noch einmal mit Schulnoten zu sprechen: Noch immer bewerten 45,5 Prozent der Teilnehmer die berufspolitische Kompetenz ihrer Kammerspitze mit einer 5 oder 6. Offenbar gelingt es den Kammerführungen bei einem großen Teil der teilnehmenden änd-Leser seit Jahren nicht, mit ihrer berufspolitischen Arbeit zu überzeugen.

Öffentlichkeitsarbeit: Seit zehn Jahren schlechte Noten

Noch schlechter fällt das Zeugnis für die Öffentlichkeitsarbeit der Landesärztekammern aus. Mit einer Durchschnittsnote von 4,24 ist sie der am schlechtesten bewertete Aufgabenbereich der aktuellen Erhebung.

Besonders auffällig: 28,3 Prozent der Befragten vergaben die schlechteste Bewertungsstufe 6, die bei dieser Frage ausdrücklich mit „Die Öffentlichkeitsarbeit ist nicht wahrnehmbar“ beschrieben wurde. Zusammen mit den Teilnehmern, die eine 5 vergaben, beurteilt nahezu jeder Zweite die Öffentlichkeitsarbeit negativ – womit sich auch hier der Trend aus den Vorbefragungen fortsetzt.

Besser schneiden dagegen die Mitgliederinformationen ab. Ärzteblätter, Newsletter und Rundschreiben erhalten aktuell eine Durchschnittsnote von 3,60. Im Jahr 2020 waren es 3,70, 2016 lag der Wert bei 3,63. Insgesamt also eine leichte Verbesserung: Die Informationsangebote der Kammern werden somit günstiger beurteilt, als ihre allgemeine Öffentlichkeitsarbeit.

Kammerbeiträge: Zwei Drittel halten sie für viel zu hoch

Besonders drastisch fällt das Urteil bei der Höhe der Kammerbeiträge aus. Hier konnten die Teilnehmer zwischen den Antworten „fair“, „hoch, aber noch angemessen“ und „viel zu hoch“ wählen.

In der aktuellen Befragung halten 63,5 Prozent ihren Kammerbeitrag für viel zu hoch. Nur 14,4 Prozent empfinden ihn als fair. Weitere 22 Prozent bezeichnen ihn als hoch, aber noch angemessen.

Bemerkenswert ist, wie wenig sich diese Einschätzung verändert hat. Bereits 2016 hatten 63,7 Prozent der Befragten ihren Kammerbeitrag als viel zu hoch eingestuft, 2020 waren es 64,7 Prozent.

Seit einem Jahrzehnt empfindet damit eine deutliche Mehrheit der befragten änd-Leser ihre Kammerbeiträge als überhöht. Von einer spürbar gewachsenen Akzeptanz der finanziellen Belastung kann keine Rede sein.

Bessere Noten für Fortbildung und Schlichtung

Immerhin: Nicht alle Leistungen der Landesärztekammern werden gleichermaßen kritisch gesehen. Bei konkreten Dienstleistungen fallen die Bewertungen günstiger aus als bei der berufspolitischen Interessenvertretung.

Am besten schneidet die Schlichtung von Patientenbeschwerden ab. Die Teilnehmer sollten bewerten, ob ihre Kammer dabei professionell und sachgerecht agiert. Die aktuelle Durchschnittsnote beträgt 3,16. Im Jahr 2020 hatte sie bei 3,23 gelegen, 2016 bei 3,22.

Auch bei der Fort- und Weiterbildung erhalten die Kammern vergleichsweise gute Bewertungen. Für die professionelle und mitgliederfreundliche Bearbeitung entsprechender Themen vergeben die Teilnehmer aktuell im Durchschnitt eine 3,34. Exakt diesen Wert hatten auch die Befragungen von 2016 und 2020 ergeben.

Etwas schlechter wiederum: Die Beratung in berufsethischen und berufsrechtlichen Fragen wird nur mit einer Durchschnittsnote von 3,84 bewertet. Im Jahr 2020 lag sie bei 3,97, 2016 bei 3,86.

Insgesamt zeigt sich damit seit zehn Jahren aber ein ähnliches Muster: Bei konkreten Beratungs- und Verwaltungsleistungen schneiden die Kammern besser ab als bei ihrer berufspolitischen Arbeit und ihrer öffentlichen Wahrnehmung.

Grundsätzlicher Rückhalt geringer als vor zehn Jahren

Besonders interessant auch die Frage nach der grundsätzlichen Akzeptanz der ärztlichen Selbstverwaltung.

Die Teilnehmer sollten folgende Aussage bewerten: „Die Arbeit der Ärztekammern ist wichtig und richtig – die Ärzteschaft braucht diese Einrichtungen.“

Im Jahr 2016 hatten 46,2 Prozent der Befragten dieser Aussage mit einer 1 oder 2 zugestimmt. Vier Jahre später waren es nur noch 40,7 Prozent. In der aktuellen Befragung liegt der Anteil bei 41,8 Prozent.

Gleichzeitig ist die Gruppe derjenigen, die die Aussage deutlich ablehnen, im Zehnjahresvergleich gewachsen. 2016 vergaben 33,4 Prozent eine 5 oder 6, 2020 waren es 36,2 Prozent und aktuell sind es 36,7 Prozent.

Damit überwiegen unter den aktuellen Umfrageteilnehmern zwar weiterhin die Befürworter der Ärztekammern. Ihr Vorsprung gegenüber den deutlichen Kritikern ist aber erheblich kleiner geworden.

Auch die Durchschnittsbewertung spiegelt dies wider. Sie lag 2016 bei 3,24, verschlechterte sich 2020 auf 3,39 und beträgt aktuell 3,34.

Zwar hat sich die Bewertung gegenüber 2020 geringfügig verbessert. Die grundsätzliche Zustimmung zur Notwendigkeit der Ärztekammern erreicht aber weiterhin nicht das Niveau von vor zehn Jahren.

Zehn Jahre nach der ersten änd-Befragung fällt das Zeugnis für die Landesärztekammern somit kaum besser aus als damals. Vor allem in den zentralen berufspolitischen Disziplinen bleiben die Noten schlecht – und der grundsätzliche Rückhalt unter den befragten Ärzten ist geringer als 2016.

Der änd wird in den nächsten Tagen weitere Details der Umfrage veröffentlichen. An der Mitgliederbefragung nahmen vom 26. Oktober bis zum 1. November 2026 insgesamt 1.268 Mitglieder – niedergelassene Ärztinnen und Ärzte aus dem gesamten Bundesgebiet – teil.

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