Scooter und E-Bikes: Immer mehr Kinder verunglücken schwer
Unfälle mit Elektrofahrrädern und E-Scootern führen bei Kindern und Jugendlichen zunehmend zu schweren Verletzungen. Besonders auffällig ist die hohe Zahl an Kopfverletzungen nach E-Bike-Unfällen, so das Ergebnis einer US-Multicenterstudie im Fachmagazin JAMA.
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24 Prozent der E-Bike-Unfälle und sogar 44 Prozent der E-Scooter-Unfälle betrafen Kinder unter zwölf Jahren.
Elektrisch unterstützte Fahrräder und E-Scooter erfreuen sich auch bei Kindern und Jugendlichen wachsender Beliebtheit. Mit ihrer zunehmenden Verbreitung steigt allerdings auch die Zahl der Verletzungen, die in Notaufnahmen behandelt werden müssen. Wie stark dieser Trend ausfalle und welche Unterschiede zu herkömmlichen Fahrrädern und Tretrollern bestehen, haben US-amerikanische Wissenschaftler von der Stanford University nun genauer untersucht.
Mehr als 13.000 Unfallbehandlungen ausgewertet
Für ihre retrospektive Multicenterstudie nutzten die Forschenden elektronische Patientenakten aus dem pädiatrischen Forschungsnetzwerk PEDSnet. Berücksichtigt wurden sechs US-amerikanische Gesundheitseinrichtungen, die zwischen Januar 2023 und März 2026 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren nach entsprechenden Unfällen behandelt hatten.
Insgesamt identifizierten die Wissenschaftler 13.307 unfallbedingte Behandlungskontakte. Davon entfielen 642 auf E-Bikes und 1.396 auf E-Scooter. Zum Vergleich wurden 7.572 Unfälle mit herkömmlichen Fahrrädern, 2.460 mit nicht motorisierten Tretrollern sowie 1.237 Skateboardunfälle ausgewertet.
Neben der zeitlichen Entwicklung untersuchten die Autoren insbesondere die Verletzungsschwere, die Häufigkeit stationärer Krankenhausaufnahmen sowie Hirnverletzungen.
E-Bike-Unfälle nehmen besonders stark zu
Die Auswertung zeigte einen deutlichen Anstieg der behandelten Verletzungen durch elektrisch angetriebene Fahrzeuge. Nach Berücksichtigung saisonaler Schwankungen nahm die Verletzungsrate bei E-Bikes im Untersuchungszeitraum rechnerisch um 33 Prozent pro Quartal zu. Bei E-Scootern betrug der entsprechende Anstieg 15 Prozent.
Deutlich geringer fiel die relative Zunahme bei herkömmlichen Fahrrädern mit zwei Prozent und nicht motorisierten Tretrollern mit vier Prozent pro Quartal aus.
Allerdings war der absolute Anstieg der Verletzungsraten bei E-Bikes und herkömmlichen Fahrrädern ähnlich. Ein statistisch deutlicherer Unterschied zeigte sich hingegen zwischen elektrischen und nicht motorisierten Tretrollern.
Doppelt so häufig schwere Verletzungen
Besonders besorgniserregend seien den Studienautoren zufolge die Unterschiede bei der Verletzungsschwere. Während bei herkömmlichen Fahrradunfällen etwa vier Prozent der Behandlungen als schwer eingestuft wurden, lag dieser Anteil bei E-Bikes mit acht Prozent doppelt so hoch. Bei E-Scootern waren fünf Prozent der Verletzungen schwer, verglichen mit zwei Prozent bei nicht motorisierten Tretrollern. Beide Unterschiede waren statistisch signifikant (p < 0,001).
Als schwere Verletzungen galten unter anderem behandlungsbedürftige schwere Organ- und Gefäßverletzungen, schwerwiegende neurologische Schäden sowie Frakturen, die eine operative Versorgung erforderten.
E-Bikes wiesen zudem den höchsten Anteil an Hirnverletzungen auf. Bei zehn Prozent der betroffenen Kinder und Jugendlichen wurde eine entsprechende Diagnose dokumentiert. Nach Unfällen mit herkömmlichen Fahrrädern waren es fünf Prozent. Auch stationäre Krankenhausaufnahmen waren nach E-Bike-Unfällen mit 17 Prozent häufiger als bei konventionellen Fahrrädern mit 14 Prozent.
Als mögliche Ursachen diskutieren die Autoren höhere Fahrgeschwindigkeiten sowie eine geringere Nutzung von Schutzhelmen. Untersucht wurden diese Einflussfaktoren allerdings nicht direkt, wie es heißt.
Viele Verletzte jünger als zwölf Jahre
Auffällig war zudem das Alter der Unfallopfer. Zwar waren Jugendliche bei Unfällen mit elektrisch angetriebenen Fahrzeugen insgesamt stärker vertreten als bei herkömmlichen Fahrrädern und Tretrollern. Dennoch betrafen 24 Prozent der E-Bike-Unfälle und sogar 44 Prozent der E-Scooter-Unfälle Kinder unter zwölf Jahren.
Damit ereignete sich ein erheblicher Teil der Unfälle in einer Altersgruppe, die nach Einschätzung der Autoren deutlich unterhalb des gesetzlichen Mindestalters für das Führen entsprechender Fahrzeuge liege.
Ergebnisse mit Einschränkungen
Die Wissenschaftler weisen allerdings darauf hin, dass die Studie keine Aussagen über das individuelle Unfallrisiko der verschiedenen Verkehrsmittel erlaube. Dafür fehlten insbesondere Angaben zur tatsächlichen Nutzung und zur zurückgelegten Fahrstrecke.
Zudem könnten Veränderungen bei der medizinischen Kodierung dazu beigetragen haben, dass im Studienverlauf mehr Verletzungen erfasst wurden. Die Ergebnisse zur höheren Verletzungsschwere bei elektrisch angetriebenen Fahrzeugen seien von dieser Einschränkung jedoch nicht in gleicher Weise betroffen.
Fazit
Die Ergebnisse verdeutlichen nach Einschätzung der Autoren den wachsenden Handlungsbedarf bei der Unfallprävention. Insbesondere die häufigeren schweren Verletzungen und der hohe Anteil betroffener jüngerer Kinder sprächen dafür, bestehende Schutzmaßnahmen und gesetzliche Altersgrenzen für elektrisch angetriebene Kleinfahrzeuge kritisch zu überprüfen, heißt es zum Abschluss.
Originalpublikation: Schroeder AR et al., Injuries From Electric Bicycles and Scooters Managed in Pediatric Health Systems. JAMA 2026. DOI: 10.1001/jama.2026.20796