„Skinny fat“

Auch verstecktes Fett ist ungesund für das Herz

Auch bei normalem Körpergewicht kann sich überschüssiges Fett im Bauchraum ansammeln. Eine Kohortenstudie untersuchte nun, ob normalgewichtige Menschen mit zentraler Adipositas häufiger kardiometabolisch erkranken. Die Ergebnisse zeigen: Der Bauchumfang fällt ins Gewicht.

©Evgeniia Primavera/stock.adobe.com Auch bei normalem Körpergewicht kann sich vermehrtes Fett im Bauchraum ansammeln. Ein erhöhter Taillenumfang kann dann auf ein gesteigertes kardiometabolisches Risiko hinweisen (Symbolbild).

Ein normaler Body-Mass-Index (BMI) schließt eine vermehrte Fettansammlung im Bauchraum nicht aus. Welche kardiometabolischen Folgen dieser Befund im weiteren Verlauf haben kann, wurde bislang überwiegend in Querschnittsstudien untersucht.

Forschende aus China gingen der Frage daher in einer longitudinalen Kohortenstudie nach und erfassten über knapp zwei Jahre neu auftretende Hypertonie, Diabetes mellitus und Hyperlipidämie. Dabei berücksichtigten sie auch Veränderungen des Taillenumfangs. Die Studie wurde in BMC Cardiovascular Disorders veröffentlicht.

Mehr als 5.600 Normalgewichtige nachuntersucht

Die retrospektive Kohortenstudie beruhte auf einer prospektiv aufgebauten Datenbank eines Gesundheitszentrums in Nanjing. Eingeschlossen wurden 5.606 Erwachsene mit einem BMI zwischen 18 und 24 kg/m², die 2022 und 2024 an Gesundheitsuntersuchungen teilgenommen hatten. Zu Studienbeginn lagen weder eine Hypertonie noch ein Diabetes mellitus oder eine Hyperlipidämie vor.

Eine zentrale Adipositas wurde bei einem Taillenumfang von mindestens 90 Zentimetern bei Männern beziehungsweise 80 Zentimetern bei Frauen angenommen. Insgesamt erfüllten 388 Teilnehmende trotz normalen Körpergewichts dieses Kriterium.

Untersucht wurde, wie häufig während der Nachbeobachtung erstmals eine Hypertonie, ein Diabetes mellitus oder eine Hyperlipidämie auftrat. Zusätzlich prüften die Forschenden, ob Veränderungen des Taillenumfangs mit dem Erkrankungsrisiko zusammenhingen.

Mehr Neuerkrankungen bei zentraler Adipositas

Während der im Mittel knapp zweijährigen Nachbeobachtung entwickelte knapp ein Fünftel der Teilnehmenden mindestens eine der untersuchten Erkrankungen. Dies war bei normalgewichtigen Personen mit zentraler Adipositas häufiger der Fall als bei Normalgewichtigen ohne vergrößerten Taillenumfang.

Nach Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, Rauchen und Alkoholkonsum war das Risiko für Hypertonie, Diabetes mellitus oder Hyperlipidämie insgesamt um 39 Prozent erhöht. Für Hypertonie und Hyperlipidämie ergaben sich jeweils Risikoerhöhungen von rund 40 Prozent.

Eine Zunahme des Taillenumfangs im Studienverlauf war mit einem höheren Risiko für Hypertonie und Hyperlipidämie verbunden. Für Diabetes mellitus zeigte sich dagegen kein entsprechender Zusammenhang.

Longitudinale Daten ergänzen die Studienlage

Einschränkend ist zu berücksichtigen, dass die Daten aus einem einzelnen chinesischen Gesundheitszentrum stammen und daher nur begrenzt auf andere Bevölkerungsgruppen übertragbar sind.

Hinzu kommt die mit knapp zwei Jahren kurze Nachbeobachtung. Insbesondere für Diabetes mellitus führte dies zu wenigen Neuerkrankungen und einer entsprechend unsicheren Risikoschätzung.

Auch unter Berücksichtigung der Einschränkungen zeigt die Studie, dass sich die Bedeutung zentraler Fettverteilung nicht erst langfristig bemerkbar machen muss. Bereits innerhalb von knapp zwei Jahren erkrankten normalgewichtige Personen mit zentraler Adipositas häufiger an Hypertonie, Diabetes mellitus oder Hyperlipidämie. Nach Einschätzung der Autoren unterstreicht dies die Relevanz der Fettverteilung für die kardiometabolische Risikoeinschätzung.
 

Originalpublikation: Cheng Y et al. Association between normal-weight central obesity and cardiometabolic disorders: a longitudinal analysis from health check-up data. BMC Cardiovascular Disorders. 2026. DOI: 10.1186/s12872-026-06323-5

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