Langjährige Hausarztbindung zahlt sich aus
Eine langjährige Bindung an dieselbe Hausarztpraxis geht mit weniger ungeplanten Krankenhauseinweisungen einher. Darauf weist eine retrospektive Kohortenstudie aus den Niederlanden hin, die in der Fachzeitschrift Annals of Familie Medicine veröffentlicht wurde.
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Ambulante Versorgung ist nicht nur kurzfristig wichtig, sondern sorgt auch langfristig zu weniger Klinikaufnahmen (Symbolbild).
Die langfristige Betreuung durch dieselbe Hausarztpraxis gilt als zentrales Merkmal einer guten Primärversorgung. Sie wird mit einer besseren Versorgungsqualität und einer geringeren Inanspruchnahme medizinischer Leistungen in Verbindung gebracht. Ein niederländisches Forschungsteam beschäftigte sich mit der Frage, ob eine langjährige Versorgungskontinuität Auswirkungen auf Krankenhausaufnahmen und im weiteren Verlauf auch auf die Kosten der Behandlung hat. Hierfür werteten sie Routinedaten von 100.450 Erwachsenen aus 48 Hausarztpraxen aus und verknüpften diese mit nationalen Daten zu Krankenhausaufnahmen und -kosten. Untersucht wurde zum einen die Dauer der Patientenbindung an die Hausarztpraxis und zum anderen die Kontinuität der ärztlichen Kontakte innerhalb der Praxis.
Je länger die Bindung, desto besser – auch für die Kosten
Im Vergleich zu Personen, die höchstens fünf Jahre in einer Praxis betreut wurden, war eine längere Arzt-Patienten-Beziehung mit einem 9 bis 21 Prozent geringeren Risiko ungeplanter Krankenhauseinweisungen assoziiert. Die stärkste Risikoreduktion zeigte sich bei einer Praxiszugehörigkeit von 15 bis 20 Jahren (adjustierte OR 0,79).
Auch die Krankenhauskosten fielen bei länger bestehender Patientenbindung deutlich geringer aus. Die größte modellierte Kostensenkung betrug 39,7 Prozent bei einer Praxiszugehörigkeit von 10 bis 15 Jahren. Eine höhere Kontinuität der Arztkontakte innerhalb der Praxis war ebenfalls mit niedrigeren Krankenhauskosten verbunden (−6 bis −7 %), beeinflusste das Risiko ungeplanter Klinikeinweisungen jedoch nicht signifikant.
Vertrauensverhältnis ist die Basis
Nach Einschätzung der Autoren unterstreichen die Ergebnisse den Wert einer langfristigen hausärztlichen Betreuung. Über Jahre entstehe ein umfassendes Wissen über die Krankengeschichte, das persönliche Umfeld und die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten. Dieses Vertrauensverhältnis könne unnötige Überweisungen, Krankenhausaufenthalte und Folgekosten vermeiden. Dabei wirkte sich vor allem die Dauer der Arzt-Patienten-Beziehung auf ungeplante Krankenhauseinweisungen aus.
Vor dem Hintergrund des zunehmenden Hausärztemangels und einer alternden Bevölkerung sehen die Autoren die Ergebnisse auch als gesundheitspolitisch relevant. Eine kontinuierliche hausärztliche Betreuung könne nicht nur die Versorgungsqualität verbessern, sondern auch dazu beitragen, Krankenhausaufnahmen und Gesundheitskosten langfristig zu reduzieren.
Originalpublikation:
Marije T. te Winkel, Annemarie A. Uijen, Birgit I. Lissenberg-Witte, Rob J. van Marum, Henk J. Schers, Pauline Slottje, Jettie Bont and Otto R. Maarsingh, Association of General Practice Continuity With Hospital Admissions and Costs: A Retrospective Study, The Annals of Family Medicine July 2026, 24 (4) 321-328;
DOI: https://doi.org/10.1370/afm.250537