Das Trockene Auge

Wenn subjektives Leid größer ist als der objektive Befund

Das Trockene Auge ist eine häufige Erkrankung, die nicht nur die Augen, sondern häufig auch die Lebensqualität belastet. Eine bevölkerungsbasierte Studie aus Hongkong liefert nun Hinweise darauf, dass die subjektiven Beschwerden häufig nicht mit den objektiven Symptomen zusammenpassen und eine ganz andere Ursache dahinterstecken kann.

©Dragana Gordic/stock.adobe.com Gar nicht selten: Etwa 15 Prozent der Menschen in Deutschland sind von trockenen Augen betroffen (Symbolbild).

Trockene Augen werden häufig zusammen mit psychischen Erkrankungen beobachtet. Eine bevölkerungsbasierte Kohortenstudie aus Hongkong zeigt nun, dass vor allem die subjektiv wahrgenommenen Beschwerden, nicht jedoch objektive Befunde der Augenoberfläche, mit einer Depression assoziiert sind. Die Ergebnisse der Studie wurden in nature scientific reports veröffentlicht.

Objektive Befunde wurden mit Depressionen abgeglichen

In die Studie wurden 614 Erwachsene aus der Allgemeinbevölkerung eingeschlossen. Die Forscher erfassten die Beschwerden mithilfe des Ocular Surface Disease Index (OSDI) und untersuchten zusätzlich verschiedene objektive Parameter der Augenoberfläche, darunter Tränenfilmstabilität, Tränenseehöhe, Lipidschichtdicke, Osmolarität und Meibomdrüsenfunktion. Eine Depression wurde anhand der Selbstauskunft und einer gleichzeitigen antidepressiven Medikation definiert.

Objektive Befunde wenig aussagekräftig 

Teilnehmende mit Depression berichteten signifikant stärkere Symptome trockener Augen als Personen ohne Depression (OSDI-Median 20 vs. 14 Punkte). Dagegen unterschieden sich die objektiven Untersuchungsbefunde wie Tränenfilmstabilität, Tränenmenge oder Meibomdrüsenfunktionnicht zwischen beiden Gruppen.

In der multivariaten Analyse war ein höherer OSDI-Score unabhängig mit einer Depression assoziiert. Besonders ausgeprägte Beschwerden (OSDI > 32) gingen mit einer etwa dreifach erhöhten Wahrscheinlichkeit für eine Depression einher. Als mögliche Erklärung diskutieren die Autoren eine veränderte Schmerzverarbeitung. Frühere Studien deuten darauf hin, dass Symptome des Trockenen Auges stärker mit chronischen Schmerzsyndromen und Depressionen als mit den eigentlichen Tränenfilmparametern zusammenhängen könnten. Auch eine zentrale Sensibilisierung des Nervensystems, die neuropathieähnliche Augenschmerzen verstärken kann, komme als Ursache infrage.

Veränderungen der Wahrnehmung

Die Autoren schließen daraus, dass bei Patientinnen und Patienten mit ausgeprägten subjektiven Beschwerden trockener Augen auch an eine mögliche depressive Begleiterkrankung gedacht werden sollte. Depressionen scheinen dabei weniger mit den objektiven Veränderungen als vielmehr mit der Wahrnehmung und Verarbeitung der Beschwerden zusammenzuhängen.

Die Autoren weisen allerdings darauf hin, dass sich aus der Querschnittsstudie keine Kausalität ableiten lasse. Unklar bleibe zudem, welchen Einfluss Antidepressiva auf die Augenoberfläche haben. Insbesondere trizyklische Antidepressiva könnten aufgrund ihrer anticholinergen Wirkung selbst Symptome eines Trockenen Auges begünstigen. Größere prospektive Studien sollen nun klären, ob Depression, Schmerzverarbeitung und medikamentöse Therapie die Beschwerden des Trockenen Auges beeinflussen.

 

Originalpublikation:
Liao, X., Guo, B., Li, H. et al. A cross-sectional analysis of the associations between dry eye disease and depression. Sci Rep (2026). https://doi.org/10.1038/s41598-026-62176-0

Wofür steht der änd?

Kostenlos registrieren
(Nur für Ärztinnen/Ärzte)
änd Logo  Unser Politik-Editorial
änd Logo  Unser Medizin-Editorial