Herzgesundheit

Ruhig Blut: (Purer) Kaffee geht nicht ans Herz

Beruhigende Nachrichten für alle Liebhaber des koffeinhaltigen Getränks: Bis zu fünf Tassen Kaffee am Tag sind für die meisten Erwachsenen unbedenklich. Und möglicherweise sogar kardioprotektiv. Vorsicht ist hingegen bei hoch dosierten Energydrinks geboten.

©exclusive-design/stock.adobe.com Am besten schwarz genießen: Zucker und andere Beigaben können die gesundheitlichen Vorteile von Kaffee abschwächen (Symolbild).

Eine Übersichtsarbeit fasste den aktuellen Kenntnisstand zu den Auswirkungen von Koffein auf kardiovaskuläre Risikofaktoren und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammen und wurde in der Fachzeitschrift Cirulation veröffentlicht. 

Bis zu 400 mg Koffein täglich meist unproblematisch

Nach Einschätzung der Autoren gelten bis zu 400 mg Koffein pro Tag – entsprechend etwa drei bis fünf Tassen schwarzem Filterkaffee – für die meisten Erwachsenen als unbedenklich.

Die Auswirkungen von Koffein auf das Herz-Kreislauf-System hängen offenbar von Konsummenge und Quelle ab. Moderater Kaffeekonsum ist überwiegend mit einem geringeren Risiko für Typ-2-Diabetes, koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz und Schlaganfall assoziiert. Ein erhöhtes Vorhofflimmerrisiko zeigte sich nicht, allerdings könnten ventrikuläre Extrasystolen häufiger auftreten. Ungefilterter Kaffee kann aufgrund des Inhaltsstoffs Cafestol das LDL-Cholesterin erhöhen. Hohe Koffeindosen – insbesondere aus Energydrinks – stehen dagegen mit Blutdruckanstieg und Herzrhythmusstörungen in Zusammenhang.

„Obwohl Untersuchungen darauf hindeuten, dass der Koffeinkonsum für einige Menschen mit bestimmten kardiovaskulären Vorteilen verbunden sein kann, ist es wichtig daran zu erinnern, dass es keine einheitliche Strategie für einen sicheren Koffeinkonsum gibt. Menschen können sehr unterschiedlich auf Koffein reagieren, basierend auf verschiedenen Faktoren wie Alter, Medikamenten, zugrunde liegenden Gesundheitszuständen, Genetik und wie schnell ihr Körper es verstoffwechselt“, erklärt der Erstautor der Stellungnahme Dr. Gregory M. Marcus (San Francisco School of Medicine) in einer Mitteilung der AHA.

Kaffee ist nicht gleich Kaffee

Die Autoren betonen ferner, dass sich viele positive Effekte möglicherweise nicht allein durch das Koffein erklären lassen. Auch andere Inhaltsstoffe des Kaffees könnten eine Rolle spielen. Ungefilterter Kaffee enthält Cafestol und kann das LDL-Cholesterin erhöhen, während papiergefilterter Kaffee diesen Effekt nicht zeigt. Zudem dürften Zucker, Sirup, Milch oder Sahne den gesundheitlichen Nutzen abschwächen.

Energydrinks bleiben ein Risikofaktor

Anders als moderater Kaffeekonsum werden hohe Koffeindosen – insbesondere aus Energydrinks oder Energy Shots – mit einem erhöhten Risiko für Hypertonie und Herzrhythmusstörungen in Verbindung gebracht. Diese Produkte enthalten häufig deutlich höhere Koffeinkonzentrationen als herkömmlicher Kaffee und weitere Inhaltsstoffe, die die Koffeinaufnahme beschleunigen können.

Weitere Forschung erforderlich

Die Autoren weisen darauf hin, dass die Evidenz überwiegend aus Beobachtungsstudien stammt und sich vor allem auf Kaffee bezieht. Wie sich andere Koffeinquellen – etwa Tee, Softdrinks oder Energydrinks – langfristig auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit auswirken und welche Rolle individuelle Faktoren wie Genetik, Begleiterkrankungen oder der Koffeinstoffwechsel spielen, müsse in weiteren Studien untersucht werden. Aus diesem Grund enthält die aktuelle Ernährungsempfehlung der American Heart Association keine konkreten Empfehlungen zur Koffeinzufuhr.

 

Origiinalpublikation:
Gregory M. Marcus, MD, MAS, FAHA, Chair, Frank B. Hu, MD, MPH, PhD, FAHA, Vice Chair, Rob M. van Dam, PhD, Marilyn C. Cornelis, PhD, Thomas A. Dewland, MD, JungHee Kang, PhD, MPH, RN, Susanna C. Larsson, PhD, Robert L. Page, II, PharmD, MSPH, FAHA, and Niyati Parekh, PhD, Caffeine and Cardiovascular Disease: A Scientific Statement From the American Heart Association, Circulation, Originally Published 20 July 2026, https://doi.org/10.1161/CIR.0000000000001454

Wofür steht der änd?

Kostenlos registrieren
(Nur für Ärztinnen/Ärzte)
änd Logo  Unser Politik-Editorial
änd Logo  Unser Medizin-Editorial