Gesundheitsrisiko Mückenschutzmittel

Nicht alle Mittel für Kinder unter zwei geeignet

Wenn die Sommerabende lang und warm sind kommen auch die Mücken: Repellentien helfen, die Plagegeister fernzuhalten und schützen so vor unangenehmen Stichen und Krankheiten. Falsch angewendet sind die Mittel aber auch ein Risiko für Augen, Haut- und Schleimhäute, warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Vor allem für Kinder unter zwei Jahren sind manche Mittel nicht geeignet.

©yanadjan/stock.adobe.com Gewusst wie: Diethyltoluamid (DEET)-haltige Repellentien dürfen bei Kindern unter zwei Jahren nicht verwendet werden, warnt das BfR. (Symbolbild)

Der Fachbegriff „Repellentien“ bezeichnet Insekten- und Zeckenschutzmittel, also Substanzen, die Insekten, Zecken und andere Schädlinge abschrecken und Menschen vor lästigen Bissen oder Stichen schützen sollen. Die Mittel blockieren oder stören die Geruchsrezeptoren der Tiere, sodass sie menschlichem Geruch (z.B. Atem, Schweiß) nicht mehr folgen können, teilt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) mit, das auf seiner Webseite häufig gestellte Fragen und Antworten zu Repellentien und deren gesundheitlichen Risiken zusammengestellt hat. Erhältlich sind Repellentien häufig als Sprays, Lotionen, Öle, Gele oder Stifte.

Biozidprodukte

Repellentien zählen laut BfR zu den sogenannten Biozidprodukten, da sie chemische oder biologische Wirkstoffe enthalten, welche Organismen töten, unschädlich machen oder abschrecken können. Sie müssen vor dem Inverkehrbringen ein Zulassungsverfahren durchlaufen, um die Sicherheit für Mensch und Umwelt zu gewährleisten. Repellentien wie Insektenschutzsprays dürfen frei im Handel oder online verkauft werden. Typische Wirkstoffe, die in Repellentien Anwendung finden, sind Diethyltoluamid (DEET), Icaridin und Ethyl-Butylacetylaminopropionat (IR3535).

Risiko für Augen, Haut- und Schleimhäute

„Repellentien sind bei sachgemäßer Anwendung in der Regel gut verträglich“, schreibt das Institut. Bei unsachgemäßem Gebrauch (zu hohe Konzentration, zu häufige Wiederholungen, Anwendung über längeren Zeitraum oder bei Kindern unter zwei Jahren) könne es jedoch zu Haut- und Schleimhautreizungen (Rötungen, Hautirritation oder Blasenbildung), Augenreizung (bei Kontakt mit den Augen) oder Atemwegsbeschwerden kommen. Bei DEET-haltigen Produkten seien in seltenen Fällen auch neurologische Auswirkungen wie Schwindel oder Kopfschmerzen möglich.

Kinder unter zwei – Darauf sollte man achten:

„Für die Anwendung bei Kindern sind nicht alle Insektenschutzmittel geeignet. Diethyltoluamid (DEET)-haltige Repellentien dürfen bei Kindern unter zwei Jahren nicht verwendet werden“, warnt das BfR. Grund dafür sei, dass der Wirkstoff bei kleinen Kindern zu Haut- und Schleimhautreizungen oder neurologischen Auswirkungen führen kann, beispielsweise, wenn das Kind die Hände in den Mund nimmt. Eine geeignetere Alternative für Kinder ab einem Jahr sind Insektenschutzmittel mit Ethylbutylacetylaminopropionat (IR3535), da der Wirkstoff schonender ist als DEET. „Wichtig ist zudem, dass Repellentien grundsätzlich nicht auf Wunden, irritierte Hautstellen (zum Beispiel Sonnenbrand), Schleimhäute oder auf die Hände von Kleinkindern (Risiko der oralen Aufnahme) aufgetragen werden.“

Darüber hinaus sollte das Auftragen der Produkte bei Kindern unter 12 Jahren von den Eltern vorgenommen werden, damit „eine adäquate Menge, der Gebrauchsanweisung entsprechend, aufgetragen wird und Kinderhände nicht mit dem Produkt in Kontakt kommen“. Wer „auf Nummer sicher“ gehen möchte, sollte bei Kindern unter zwei Jahren auf Insektenschutzmittel verzichten und stattdessen dafür sorgen, dass Insekten durch Insektenschutzgitter an Fenstern und Türen gar nicht erst in die Wohnung kommen können, rät das Institut. Unterwegs könnten Insektenschutznetze für Kinderwagen ebenfalls helfen. Zudem würden geeignete, langärmelige Kleidung und das Vermeiden des Aufenthalts im Freien während der Dämmerung, Mückenstichen vorbeugen.

Natürliche Alternativen

Alternativen zu synthetischen Wirkstoffen sind natürliche Wirkstoffe, bei denen es sich häufig um ätherische Öle wie Zitrusöl, Teebaumöl oder Eukalyptusöl oder deren Inhaltsstoffe handelt. Ihre Wirkung wird jedoch als schwächer und weniger lang anhaltend als die der o. g. synthetischen Wirkstoffe beschrieben. „Für diese Wirkstoffe liegt jedoch noch keine behördliche Bewertung vor“, so das BfR.

Die drei wichtigsten synthetischen Wirkstoffe

Diethyltoluamid (DEET): Repellentien, die DEET enthalten, werden z. B. von verschiedenen Tropeninstituten und dem Auswärtigen Amt für Reisen in tropische Gebiete empfohlen, in denen Krankheiten wie beispielsweise Denguefieber, Malaria, Zika und Gelbfieber vorkommen. Die Wirkdauer ist abhängig von der Konzentration im Mittel selbst und kann bis zu acht Stunden anhalten. Generell wirkt DEET besser gegen Mücken als gegen Zecken. DEET-haltige Produkte können in höherer Konzentration die Schleimhäute reizen. Bei unsachgemäßer Verwendung kann der Wirkstoff giftig auf das Nervensystem (neurotoxisch) wirken und sollte deshalb nicht großflächig oder dauerhaft angewandt werden. Darüber hinaus kann DEET Kunststoffoberflächen schädigen, da der Wirkstoff Kunststoff angreift (beispielsweise Sonnenbrillen, Handys oder Kleidung aus Kunstfasern). 

Icaridin: Icaridin (Hydroxyethyl-Isobutyl-Piperidin) ist von der Wirkung her ähnlich wie DEET, gilt aber als besser verträglich. Dennoch kann es zu Augen- und Hautreizungen bei der Verwendung kommen. Icaridin-haltige Repellentien sind für Kindern ab zwei Jahren geeignet. Icaridin ist wirksam gegen in Deutschland und Mitteleuropa vorkommende Stechmücken und Zecken, wirkt aber in der Regel kürzer als DEET. Icaridin greift Kunststoffe im Gegensatz zu DEET nicht an. 

Ethyl-butylacetylaminopropionat (IR3535 oder auch EBAAP): Dieser Wirkstoff ist zwar ähnlich effektiv, hat aber eine kürzere Wirksamkeit als die anderen beiden Stoffe. Im Gegensatz zu DEET und Icaridin ist IR3535 hautverträglicher und reizt die Schleimhäute in der Regel kaum. Auch ist der Wirkstoff materialverträglich und greift Kunststoffe beispielsweise nicht an.

Quelle: BfR: FAQ - Abwehr von Mücken, Zecken und Fliegen: Gibt es gesundheitliche Risiken bei der Verwendung von Repellentien?


 

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