Darmkrebsvorsorge

Stuhltests wirksamer als gedacht

Der Nutzen von Stuhltests zur Darmkrebsvorsorge könnte bislang deutlich unterschätzt worden sein. Eine große schwedische Analyse zeigt, wie stark sich die Darmkrebssterblichkeit bei tatsächlicher Teilnahme am Screening verringerte.

©mdbildes/stock.adobe.com Immunologische Stuhltests weisen verborgenes Blut im Stuhl nach und gehören zur Früherkennung kolorektaler Karzinome. Auffällige Befunde werden in der Regel koloskopisch abgeklärt (Symbolbild).

Programme zur Darmkrebsvorsorge mit Stuhltests sind in vielen Ländern fest etabliert. Frühere Untersuchungen haben bereits gezeigt, dass sie die Sterblichkeit an kolorektalen Karzinomen senken können. Wie groß dieser Nutzen unter Alltagsbedingungen tatsächlich ausfällt, untersuchte nun eine in JAMA Network Open veröffentlichte schwedische Kohortenstudie. Die Forschenden werteten dafür Daten eines bevölkerungsweiten Screeningprogramms über bis zu 14 Jahre aus.

Mehr als 370.000 Personen über bis zu 14 Jahre beobachtet

In die Analyse gingen 376.511 Personen aus der Region Stockholm-Gotland ein. Sie waren zu Studienbeginn zwischen 60 und 69 Jahre alt. Ein Teil war zwischen 2008 und 2012 regelmäßig zum Screening eingeladen worden, die Vergleichsgruppe erhielt die Einladung erst später oder gar nicht.

Zu Beginn kam ein guajakbasierter Test auf okkultes Blut im Stuhl zum Einsatz, ab 2015 ein immunologischer Stuhltest. Bei positivem Befund folgte eine Koloskopie. Als primärer Endpunkt wurde die Sterblichkeit durch kolorektale Karzinome untersucht.

Nach Korrektur zeigte sich ein stärkerer Effekt

Die Forschenden berücksichtigten dabei unter anderem, dass auch Personen der Vergleichsgruppe später zum Screening eingeladen wurden und nicht alle Eingeladenen tatsächlich teilnahmen. Wurden zunächst nur Alter und Nachbeobachtungsdauer berücksichtigt, war die Darmkrebssterblichkeit in der Screeninggruppe um acht Prozent niedriger. Der Unterschied war statistisch nicht signifikant.

Nach Korrektur der genannten Verzerrungen war die Einladung zum Screening dagegen mit einer um 26 Prozent niedrigeren Mortalität durch kolorektale Karzinome verbunden. Bei tatsächlicher Teilnahme fiel der Zusammenhang noch stärker aus. Unter Berücksichtigung der Nichtteilnahme war das Screening mit einer um 43 Prozent niedrigeren Darmkrebssterblichkeit assoziiert.

Nach Einschätzung der Autoren sprechen die Ergebnisse dafür, dass frühere Auswertungen den Nutzen bevölkerungsweiter Screeningprogramme unterschätzt haben könnten. Wichtig sei dabei, möglichst genau zu berücksichtigen, wer tatsächlich zum Screening eingeladen wurde und daran teilgenommen hat.

Ergebnisse nicht uneingeschränkt übertragbar

Die Schätzung zur tatsächlichen Teilnahme beruhte allerdings auf statistischen Korrekturen und nicht auf einem randomisierten Vergleich von Teilnehmenden und Nichtteilnehmenden. Zudem wechselte das Programm im Studienzeitraum vom guajakbasierten auf den immunologischen Stuhltest, ohne dass beide Verfahren getrennt ausgewertet werden konnten.

Die Autoren sehen in den Ergebnissen dennoch eine mögliche Grundlage für die Beratung der Zielgruppe. Die geschätzte Mortalitätsreduktion bei tatsächlicher Teilnahme könne helfen, den Nutzen des Screenings verständlicher zu vermitteln und die Teilnahmebereitschaft zu fördern.
 

Originalpublikation: Blom J et al. Fecal Occult Blood Screening Outcomes Adjusted for Contamination Bias and Nonadherence. JAMA Network Open. 2026. DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2026.29856

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