Kleine Schritte, großer Effekt für das Herz
Wir sitzen zu viel – am Schreibtisch, in der Schule, in der Freizeit am Rechner oder auf der Couch am Handy. Das hat Folgen: Bewegungsmangel führt zu einer immer weiter wachsenden globalen Belastung durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wie aber lässt sich die körperliche Aktivität steigern, wenn der Alltag die Bewegung einschränkt? Womöglich lautet das Zauberwort: Treppensteigen.
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Ohne Fitnessstudio, ohne Ausrüstung: Treppen findet man fast überall. Das regelmäßige Erklimmen von Treppenstufen scheint förderlich für die Herzgesundheit zu sein und zeigt, dass sich körperliche Aktivität in den Alltag integrieren lässt. (Symbolbild).
Forschende aus Großbritannien führten eine systematische Literaturrecherche durch und untersuchten, ob Treppensteigen die kardiovaskuläre Mortalität und die Inzidenz kardiovaskulärer Erkrankungen, darunter Myokardinfarkt, ischämischer Schlaganfall und Herzinsuffizienz, verringern kann. Veröffentlicht wurde die Analyse im American Journal of Cardiovascular Drugs.
In die Analyse wurden neun Studien mit insgesamt 480.479 Patientinnen und Patienten und einem medianen Follow-up von 14 Jahren einbezogen. Die Teilnehmenden unterschieden sich dabei deutlich hinsichtlich ihres Alters (35 bis 84 Jahre) und ihrer Vorerkrankungen.
Deutlich reduzierte Mortalität
Die gepoolte Analyse von fünf Studien mit 455.619 Patientinnen und Patienten ergab einen deutlichen Zusammenhang:
- Treppensteigen war mit einem um 39 Prozent niedrigeren Risiko für kardiovaskuläre Mortalität assoziiert (relatives Risiko 0,61).
- Auch das allgemeine Sterberisiko war um 24 Prozent niedriger (RR 0,76).
- Zudem zeigte sich ein Zusammenhang zwischen Treppensteigen und einer geringeren kardiovaskulären Morbidität.
- Vier Studien ergaben außerdem einen positiven Zusammenhang zwischen Treppensteigen und einer Reduktion kardiovaskulärer Erkrankungen, darunter Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzinsuffizienz.
- Zwei Studien berichteten darüber hinaus über eine Dosis-Wirkungs-Beziehung: Je mehr Stufen erklommen wurden, desto günstiger wirkte sich die Aktivität auf die Mortalität und kardiovaskuläre Erkrankungen aus.
Verbesserung mehrerer Parameter
Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass Treppensteigen eine körperliche Aktivität mit potenziell günstigen Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System ist. Als moderate bis anstrengende körperliche Aktivität erhöht es den Energieverbrauch, verbessert die Ausdauer, die Insulinsensitivität und die Regulation des Blutdrucks sowie des Fettstoffwechsels. Darüber hinaus kräftigt es Muskulatur und Koordination, insbesondere in den unteren Extremitäten.
Von Vorteil ist, dass sich diese Form der körperlichen Aktivität sehr einfach in den Alltag integrieren lässt und sowohl am Arbeitsplatz als auch zu Hause ohne spezielles Equipment durchgeführt werden kann.
(Noch) keine konkrete Trainingsempfehlung
Dennoch kann bislang keine konkrete Empfehlung zum Umfang des „Treppen-Trainings“ gegeben werden; auch die Studie nennt hierzu keine eindeutigen Zahlen. Eine Studie mit über 440.000 Probanden berichtete jedoch von einem Cut-off, oberhalb dessen keine weitere Verbesserung der kardiovaskulären Gesundheit erreicht werden konnte: Er lag bei 60 Treppenstufen pro Tag.
Kurze Anstrengungen, die sich über den Tag verteilen, scheinen ein erreichbares Ziel zu sein und lassen sich zudem gut in den Alltag integrieren, so die Autoren.
Keine Aussage über Kausalität
Eine Meta-Analyse beweist allerdings keine Kausalität, und Verzerrungen sind möglich. So könnte es sein, dass Menschen, die häufig Treppen steigen, generell aktiver leben. Auch muss berücksichtigt werden, dass manche aufgrund körperlicher Einschränkungen oder Gelenkproblemen keine Treppen steigen können. Zu guter Letzt beruhen die meisten Studien auf selbstberichteten Angaben zur Anzahl der täglich bewältigten Stufen.
Fazit
Körperliche Aktivität in Form von Treppensteigen ist mit einem verringerten Risiko für kardiovaskuläre Mortalität und Gesamtmortalität verbunden. Die Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es sein kann, alltägliche Aktivitäten – auch am Arbeitsplatz und zu Hause – zu fördern, um einen aktiveren Lebensstil zu unterstützen und die mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbundenen Risiken zu mindern. Die Autoren empfehlen weitere Studien, die sich insbesondere mit dem optimalen Umfang des Treppensteigens beschäftigen.
Originalpublikation:
Paddock, S., Veerni, R., Bhalraam, U. et al. Evaluating the Impact of Stair Climbing on Cardiovascular Risk Reduction: A Systematic Review and Meta-analysis. Am J Cardiovasc Drugs (2026). https://doi.org/10.1007/s40256-026-00811-x