Lungenentzündung

„Einfacher Blutwert“ zeigt erhöhten Behand­lungs­bedarf

Oho, die EOS: Marburger Forschende haben ein „Frühwarnsignal im Blut“ entdeckt, das bei einer Pneumonie auf erhöhten Behandlungsbedarf hinweist. Ihrer Studie zufolge geht eine niedrige Eosinophilenzahl bei der Krankenhausaufnahme mit einem höheren Risiko für eine Intensivbehandlung einher.

©syhin_stas/stock.adobe.com Routine-Test mit Prognosepotenzial bei Pneumonien: Eine niedrige Eosinophilenzahl bei der Krankenhausaufnahme weist offenbar auf ein höheres Risiko für eine Intensivbehandlung hin. (Symbolbild)

Das Forschungsteam um Dr. Barbara Weckler und Prof. Dr. Bernd Schmeck vom Institut für Lungenforschung der Uni Marburg hat laut Mitteilung der hessischen Hochschule gemeinsam mit Partnern die Bedeutung der Eosinophilenzahl im Blut von Patienten mit einer außerhalb des Krankenhauses erworbenen Lungenentzündung unter die Lupe genommen. Für die Studie werteten die Forschenden die Daten von 2.880 erwachsenen Patienten im Alter von 56 bis 78 Jahren aus, die im Rahmen des CAPNETZ-Netzwerks in deutschen Universitätskliniken behandelt wurden.

Ergebnis: Klarer Zusammenhang mit Behandlungsbedarf

Die Auswertung ergab: Patienten mit höchstens zehn Eosinophilen pro Mikroliter Blut mussten deutlich häufiger auf einer Intensivstation behandelt werden als Patienten mit höheren Werten (14,2 gegenüber 8,5 Prozent). Sie benötigten zudem öfter eine künstliche Beatmung und blieben im Durchschnitt länger im Krankenhaus (10,2 gegenüber 9,0 Tagen).

Fazit: keine Zusatzdiagnostik nötig

Der große Vorteil dieser Entdeckung: Es ist keine zusätzliche Untersuchung nötig. „Da dieser Wert bei jedem Patienten, der mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus kommt, im Rahmen des Standard-Blutbildes sowieso gemessen wird, liegt die Information bereits vor“, erklärt Dr. Barbara Weckler. Für die Betroffenen bedeutet das: Keine zusätzliche Nadel und kein Warten auf Speziallabore. „Die Eosinophilenzahl im Blut kann ohne zusätzlichen Aufwand helfen, bereits bei der Aufnahme abzuschätzen, welche Patient*innen voraussichtlich einen höheren Behandlungsbedarf im Krankenhaus haben.“ Überwachung und Therapie von Risiko-Patienten sowie der Einsatz von Krankenhausressourcen könnten dadurch frühzeitig gezielter geplant werden.

Nach Ansicht der Forschenden könnte die Eosinophilenzahl bestehende klinische Bewertungssysteme sinnvoll ergänzen. Weitere Studien sollen nun prüfen, wie sich der Marker in klinische Entscheidungsprozesse integrieren lässt und welche biologischen Mechanismen dem Zusammenhang zugrunde liegen.

Originalpublikation:

Weckler B, Wu Q, Bertrams W; Association Between Admission Eosinophil Count and Hospital Resource Use in Community-Acquired Pneumonia, CHEST, 2026; 170, 353-364

Quelle: Philipps-Universität Marburg

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