ZEW-Zahlen

Fast 5.500 Arztpraxen geschlossen

Die Zahl der Praxisschließungen ist 2025 deutlich gestiegen. Nach Berechnungen des ZEW Mannheim und von Creditreform stellten bundesweit knapp 5.500 Arztpraxen ihre Tätigkeit ein – fast ein Viertel mehr als 2024. Dabei machen die Forscher vor allem zwei Gründe aus.

©ArTo/ stock.adobe.com Konkrete Zahlen dazu, wie viele der knapp 5.500 Arztpraxen wegen einer fehlenden Nachfolge geschlossen wurden, nennt das ZEW nicht.

Immer mehr Arztpraxen verschwinden vom Markt. Bundesweit wurden im vergangenen Jahr knapp 5.500 Praxen geschlossen. Das waren 23 Prozent mehr als 2024, wie eine aktuelle Analyse des ZEW Mannheim und von Creditreform zeigt.

Damit fällt der Anstieg bei den Arztpraxen noch deutlich stärker aus als im Gesundheitswesen insgesamt. Dort registrierten die Forscher 2025 knapp 11.000 Unternehmensschließungen – zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. Arztpraxen machen somit etwa die Hälfte der erfassten Schließungen in den Gesundheitsbranchen aus. Nach Angaben des ZEW handelt es sich dabei nicht um eine Entwicklung, die erst im vergangenen Jahr eingesetzt hat. Die Zahl der geschlossenen Arztpraxen steige bereits seit mehreren Jahren.

Ruhestand und fehlende Nachfolger als mögliche Gründe

Als eine Ursache vermuten die Wissenschaftler den demografischen Wandel. Die Entwicklung bei den Arztpraxen dürfte „auch mit dem Ruhestand vieler Praxisinhaber/innen sowie fehlenden Nachfolgen zusammenhängen“, heißt es in der Analyse.

Konkrete Zahlen dazu, wie viele der knapp 5.500 Arztpraxen wegen einer fehlenden Nachfolge geschlossen wurden, nennt das ZEW allerdings nicht. Auch lässt sich aus der Analyse nicht ableiten, wie viele Praxen aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben wurden.

Die Forscher sehen fehlende Nachfolger jedoch auch branchenübergreifend zunehmend als Ursache von Unternehmensschließungen. „Immer mehr Unternehmen schließen, weil ihre Inhaberinnen und Inhaber in den Ruhestand gehen und keine Nachfolge finden, obwohl diese Unternehmen geschäftsfähig wären“, erklärt Sandra Gottschalk vom ZEW-Forschungsbereich Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik in einer Mitteilung vom Dienstag.

Schließung bedeutet nicht Insolvenz

Bei den vom ZEW erfassten Schließungen handelt es sich allerdings keineswegs ausschließlich um Insolvenzen. Über alle untersuchten Branchen hinweg war 2025 lediglich rund jede achte Unternehmensschließung – etwa 13 Prozent – auf ein Insolvenzverfahren zurückzuführen. Rund 86 Prozent entfielen dagegen zu etwa gleichen Teilen auf Abmeldungen und Geschäftsaufgaben ohne Insolvenzverfahren sowie auf Unternehmen, die von den Forschern als nicht mehr wirtschaftsaktiv eingestuft wurden.

Für Arztpraxen weist die Untersuchung allerdings keine eigene Aufschlüsselung nach der Art der Schließung aus. Aus den Zahlen lässt sich deshalb nicht schließen, dass die stark gestiegene Zahl der Praxisaufgaben auf eine zunehmende wirtschaftliche Schieflage niedergelassener Ärzte zurückgeht.

Schließungswelle trifft auf Generationenwechsel

Dass der Ruhestand von Inhabern für Unternehmensschließungen insgesamt an Bedeutung gewinnt, zeigen weitere Zahlen der Untersuchung. Bei eigentümergeführten Familienunternehmen waren 2025 rund 29 Prozent der Inhaber freiwillig geschlossener Betriebe mindestens 65 Jahre alt. Im Jahr 2002 hatte dieser Anteil erst bei 14 Prozent gelegen.

Ob und in welchem Umfang sich diese Entwicklung auf Arztpraxen übertragen lässt, weist die Untersuchung nicht gesondert aus. Die Analyse basiert auf dem Mannheimer Unternehmenspanel von ZEW und Creditreform. Die Datenbank umfasst mehr als neun Millionen Unternehmen und erfasst ausdrücklich auch Kleinstunternehmen und selbstständige Freiberufler. Neben Insolvenzen und Abmeldungen fließen recherchierte Geschäftsaufgaben sowie statistisch geschätzte Einstellungen der Wirtschaftsaktivität in die Auswertung ein.

Wofür steht der änd?

Kostenlos registrieren
(Nur für Ärztinnen/Ärzte)
änd Logo  Unser Politik-Editorial
änd Logo  Unser Medizin-Editorial