Mikroplastik in Lunge und Gefäßen

Was sich aus den Gewebefunden ableiten lässt

Mikro- und Nanoplastik ist längst nicht nur ein Umweltproblem. Die Partikel werden inzwischen auch im menschlichen Gewebe gefunden. Auf dem ESPEN-Kongress wurden neue Befunde zu Auswirkungen auf Herz und Gefäße vorgestellt.

©Mango/stock.adobe.com Mikro- und Nanoplastik aus der Umwelt gelangt über verschiedene Expositionswege auch in den menschlichen Körper (Symbolbild).

Francesco Prattichizzo vom IRCCS MultiMedica in Mailand begann seinen Vortrag mit dem inzwischen vielfach belegten Nachweis von Mikro- und Nanoplastik in menschlichen Proben und Geweben. Auf dem 48. Kongress der European Society for Clinical Nutrition and Metabolism (ESPEN) in Berlin konzentrierte er sich darauf, was bisher über Vorkommen in Gefäßen und atherosklerotischen Plaques sowie über mögliche Zusammenhänge mit kardiovaskulären Ereignissen bekannt ist.

Kunststoffpartikel finden sich in atherosklerotischen Plaques

Besondere Aufmerksamkeit widmete Prattichizzo einer 2024 im New England Journal of Medicine veröffentlichten Untersuchung von Patienten nach Karotisendarteriektomie (New England Journal of Medicine, 2024). Von 257 Patienten, die die Nachbeobachtung abschlossen, ließ sich bei 150 mindestens eine Kunststoffart in den entfernten Plaques nachweisen. Gefunden wurden insbesondere Polyethylen und Polyvinylchlorid.

Über den Gewebenachweis hinaus verwies Prattichizzo auf die klinische Nachbeobachtung. Patienten mit Mikro- oder Nanoplastik im Plaque erlitten häufiger einen Myokardinfarkt oder Schlaganfall oder starben als Patienten ohne entsprechenden Nachweis. Außerdem fanden sich bei ihnen höhere Konzentrationen von Entzündungsmarkern.

Anschließend stellte Prattichizzo Daten von Patienten vor, die sich einer perkutanen Koronarintervention unterzogen hatten (European Heart Journal, 2026). Mikro- und Nanoplastik wurde bei Patienten mit ST-Hebungsinfarkt häufiger nachgewiesen als bei Patienten mit chronischem Koronarsyndrom und bei Kontrollen. Bei Patienten mit einem koronaren Ereignis lagen zudem die Konzentrationen von Mikro- und Nanoplastik sowohl im Koronarblut als auch im peripheren Blut höher. 

Feinstaub und Rauchen als mögliche Einflussfaktoren

Prattichizzo ging auch der Frage nach, welche Lebensstil- und Umweltfaktoren mit dem Nachweis von Mikro- und Nanoplastik zusammenhängen könnten. Dabei hob er insbesondere Feinstaub und Rauchen hervor. Bei höherer Belastung mit Feinstaub mit einem aerodynamischen Durchmesser von höchstens 2,5 Mikrometern sei Mikro- und Nanoplastik häufiger nachgewiesen worden, besonders bei Rauchern.

Auch populationsbezogene Daten zog Prattichizzo heran. In Küstenregionen mit stärkerer Mikroplastikbelastung habe sich eine höhere Prävalenz von Typ-2-Diabetes, koronarer Herzkrankheit und Schlaganfall gezeigt (Journal of the American Heart Association, 2025).

Neuere Gewebeproben zeigen kleinere Partikel

Zum Ende weitete Prattichizzo den Blick über das Herz-Kreislauf-System hinaus. Er verwies unter anderem auf Untersuchungen von Hirngewebe sowie auf eine eigene Analyse von Lungenproben Verstorbener aus den Jahren 1991 und 2024 (The Lancet Regional Health – Europe, 2026).

In den neueren Lungenproben fanden sich eine größere Vielfalt verschiedener Kunststoffe und im Mittel kleinere Partikel. Prattichizzo sah darin einen Hinweis darauf, dass die Exposition gegenüber Mikro- und Nanoplastik über die vergangenen Jahrzehnte vielfältiger geworden sei.

Exposition möglicherweise beeinflussbar

Zusammenfassend betonte Prattichizzo, dass Mikro- und Nanoplastik inzwischen in verschiedenen menschlichen Geweben einschließlich des Herz-Kreislauf-Systems nachgewiesen wurde. Die Partikel fänden sich auch in atherosklerotischen Plaques, und eine wachsende Zahl von Humanstudien bringe ihre Belastung mit Atherosklerose und kardiovaskulären Ereignissen in Verbindung. Ein ursächlicher Zusammenhang sei bislang jedoch nicht belegt.

Als mögliche Quellen nannte Prattichizzo unter anderem Ernährung, Trinkwasser, Kunststoffmaterialien mit Lebensmittelkontakt und Umweltbelastungen. Die individuelle Exposition sei damit komplex, möglicherweise aber zumindest teilweise beeinflussbar.

Für Kunststoffadditive wie Weichmacher zeigten erste Interventionsstudien bereits, dass sich die Belastung durch Verhaltensänderungen senken lasse (Nature Medicine, 2026). Ob sich auf ähnliche Weise auch die Aufnahme und innere Belastung mit Mikro- und Nanoplastik reduzieren lässt, müsse dagegen noch untersucht werden.
 

Originalquelle: Prattichizzo F. Microplastics and Nanoplastics in Atheromas and Cardiovascular Events. Vortrag auf dem 48. Kongress der European Society for Clinical Nutrition and Metabolism (ESPEN), Berlin, 5.–8. September 2026

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