änd-Umfrage

Erste Praxen streichen Stellen und reduzieren Arbeitszeiten

Die Sparmaßnahmen im GKV-Bereich schlagen offenbar bereits auf das Personal in Arztpraxen durch. In einer aktuellen Umfrage des änd gaben 15 Prozent der teilnehmenden Ärztinnen und Ärzte an, in diesem Jahr einer oder mehreren Medizinischen Fachangestellten gekündigt zu haben. Noch häufiger reagieren Praxen mit anderen Formen des Personalabbaus. Und für die kommenden Monate zeichnet sich eine weitere Verschärfung ab.

KBV-Chef Dr. Andreas Gassen hatte jüngst im Interview mit dem änd vor den Folgen der Sparmaßnahmen für die ambulante Versorgung gewarnt. Einzelne Fachgruppen müssten mit Umsatzverlusten von deutlich mehr als zehn Prozent rechnen. „Wir sehen bereits Kündigungen bei den MFA“, sagte Gassen. In der personalintensiven ambulanten Versorgung sei Personalabbau eines der wenigen Mittel, mit denen Praxen auf wirtschaftliche Einschnitte reagieren könnten. Weniger Personal werde letztlich auch weniger Leistungen und weniger Termine bedeuten.

Der änd wollte deshalb von den Leserinnen und Lesern wissen, ob sich diese Entwicklung bereits in den Praxen beobachten lässt. Rund 1.000 Ärztinnen und Ärzte nahmen an der nicht repräsentativen Befragung teil.

15 Prozent berichten von Kündigungen

Das alarmierende Ergebnis: 15 Prozent der Teilnehmer geben an, in diesem Jahr bereits einer oder mehreren MFA gekündigt zu haben. Zwölf Prozent haben Arbeitsverträge auslaufen lassen oder nicht verlängert. Jede vierte Praxis (25 Prozent) hat frei gewordene Stellen nicht wiederbesetzt, 19 Prozent haben Arbeitszeiten beziehungsweise Stunden reduziert.

49 Prozent der Befragten erklären dagegen, bislang kein Personal abgebaut oder entsprechende Schritte eingeleitet zu haben.

Honorareinbußen für viele entscheidender Faktor

Die erwarteten finanziellen Einschnitte spielen bei den Personalentscheidungen nach Angaben der Teilnehmer eine erhebliche Rolle. Rund 42 Prozent bezeichnen die aktuellen beziehungsweise erwarteten Honorareinbußen durch die GKV-Sparmaßnahmen als ausschlaggebenden Grund für Personalabbau oder entsprechende Planungen. Weitere 23 Prozent sehen darin einen von mehreren wesentlichen Gründen.

Lediglich 4 Prozent messen den Honorareinbußen eine geringe und 7 Prozent gar keine Bedeutung bei. 23 Prozent können die Auswirkungen nach eigenen Angaben derzeit noch nicht beurteilen.

Weitere Kündigungen geplant

Die Antworten zur weiteren Entwicklung deuten darauf hin, dass der Personalabbau noch nicht abgeschlossen ist. Für die kommenden zwölf Monate planen 16 Prozent der Befragten Kündigungen. 30 Prozent wollen frei werdende Stellen nicht wiederbesetzen, 32 Prozent Arbeitszeiten reduzieren. 19 Prozent wollen weniger beziehungsweise keine neuen Stellen schaffen.

Nur 18 Prozent schließen solche Veränderungen derzeit aus. Für 22 Prozent ist die weitere Personalentwicklung noch unklar. Auch bei dieser Frage waren Mehrfachnennungen möglich.

Weniger Termine, längere Wartezeiten

Die Entwicklung könnte sich nach Einschätzung der Ärzte unmittelbar auf die Patientenversorgung auswirken. Jeweils 41 Prozent berichten beziehungsweise erwarten weniger Termine und längere Wartezeiten. 36 Prozent rechnen damit, weniger neue Patienten aufnehmen zu können. 34 Prozent nennen Einschränkungen bestimmter Leistungen, 33 Prozent kürzere oder reduzierte Sprechzeiten.

Lediglich 16 Prozent erwarten keine Auswirkungen auf das Versorgungsangebot, für 17 Prozent sind die Folgen noch nicht absehbar.

Auch in den Freitextantworten wird deutlich, wie unterschiedlich die Praxen reagieren wollen. Mehrfach genannt werden ein Aufnahmestopp für Neupatienten, eine Reduzierung der GKV-Sprechstunden sowie ein Ausbau von Privat- und Selbstzahlerangeboten. Einzelne Teilnehmer berichten sogar von einer geplanten Praxisaufgabe. Andere widersprechen der These vom Personalabbau ausdrücklich: Sie hätten bereits Personalmangel und suchten weiterhin MFA beziehungsweise bildeten neue MFA aus.

Mehr als die Hälfte rechnet mit zweistelligem Umsatzminus

Die wirtschaftlichen Erwartungen der Befragten fallen insgesamt deutlich negativ aus. 29 Prozent erwarten eine sehr starke Belastung ihrer Praxis durch die Sparmaßnahmen, weitere 39 Prozent eine eher starke. Zusammengenommen rechnen damit 68 Prozent mit einer starken wirtschaftlichen Belastung.

Auch die erwarteten Umsatzverluste sind erheblich: Mehr als die Hälfte der Befragten (56,5 Prozent) rechnet mit Umsatzverlusten von mindestens zehn Prozent. 14,6 Prozent erwarten sogar Einbußen von mehr als 20 Prozent. Nur 7,6 Prozent gehen von keinem oder einem Rückgang von weniger als fünf Prozent aus. 16,7 Prozent können die Entwicklung noch nicht abschätzen.

An der änd-Mitgliederumfrage beteiligten sich online vom 8. bis zum 12. September 2026 insgesamt 1015 niedergelassene Haus- und Fachärzte aus dem gesamten Bundesgebiet.

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