ESC Kongress 2026

Kann nach STEMI auf ASS verzichtet werden?

Eine Plättchenhemmung ist nach ST-Hebungs-Infarkt (STEMI) essenziell, um weitere kardiovaskuläre Ereignisse nach der PCI (percutaneous coronary intervention) zu verhindern. Die Leitlinien sprechen sich dabei für eine kombinierte Therapie mit Prasugrel oder Ticagrelor und Aspirin für 12 Monate aus. Aber braucht es dabei unbedingt ASS? 

©Myrarte/stock.adobe.com Eine Monotherapie wäre schön, aber die Daten sprachen dagegen. Bei den Nebenwirkungen schnitt das Weglassen von Aspirin allerdings besser ab (Symbolbild).

Eine multizentrische, randomisierte Studie (PREMIUM) aus Japan untersuchte nun, ob bei STEMI-Patienten auf eine initiale Behandlung mit Aspirin verzichtet werden kann. Insgesamt 2.216 Patienten wurden vor der PCI entweder einer Monotherapie mit niedrig dosiertem Prasugrel oder einer dualen Plättchenhemmung (DAPT) aus Aspirin und Prasugrel für 12 Monate zugeteilt.

„Frühere randomisierte Studien haben die Sicherheit einer ein- bis dreimonatigen DAPT, gefolgt von einer Monotherapie mit einem P2Y12-Hemmer, im Vergleich zu einer 12-monatigen DAPT nachgewiesen“, erklärte der Studienleiter Dr. Gaku Nakazawa (Kindai University, Osaka, Japan). Die Sicherheit einer Einleitung einer Prasugrel-Monotherapie unmittelbar nach PCI sei jedoch nach wie vor unbekannt.

Mehr kardiovaskuläre Ereignisse ohne Aspirin

Der primäre kombinierte Endpunkt aus Tod jeglicher Ursache, Schlaganfall oder Myokardinfarkt trat innerhalb von 12 Monaten bei 11,0 Prozent der Patienten unter Prasugrel-Monotherapie und bei 8,5 Prozent unter dualer Plättchenhemmung auf. Die Hazard Ratio betrug 1,34 (95%-KI 1,02–1,75). Damit konnte die vorab definierte Nichtunterlegenheit der Monotherapie gegenüber DAPT nicht nachgewiesen werden.

Weniger schwere Blutungen

Beim wichtigen sekundären Endpunkt zeigte sich dagegen ein Vorteil der Monotherapie: schwere Blutungen traten bei 5,6 Prozent unter Prasugrel allein und bei 8,4 Prozent unter DAPT auf (HR 0,66; 95%-KI 0,47–0,91). Die Raten definitiver oder wahrscheinlicher Stentthrombosen sowie schwerwiegender unerwünschter Ereignisse erschienen in beiden Gruppen ähnlich.

Fazit: ASS weglassen ist wohl keine gute Idee

Bei Patienten mit STEMI und primärer PCI war eine vor der PCI begonnene Prasugrel-Monotherapie einer 12-monatigen DAPT hinsichtlich Tod, Schlaganfall oder Myokardinfarkt „nicht nichtunterlegen“ – eine Monotherapie mit Prasugrel kann also nicht empfohlen werden, schlussfolgerte Nakazawa.

Zwar ging der Verzicht auf Aspirin mit weniger schweren Blutungen einher, dieser Vorteil konnte den Anstieg der ischämischen Ereignisse im primären Endpunkt jedoch nicht ausgleichen, lautet das abschließende Fazit der Studie, die parallel zum ESC-Kongress auch im Fachjournal NEJM veröffentlicht wurde. 

 

PREMIUM: Aspirin Omission at the Time of Primary PCI in STEMI’ presented during HOT LINE 3 at  
ESC Congress 2026 on 29 August from 11:00 to 12:15 in Munich (Main Auditorium – Hall B3).

Kuniaki Takahashi, M.D., Ph.D., Ken Kozuma, M.D., Ph.D., Yoshihiro Morino, M.D., Ph.D., Kosuke Kashiwabara, Ph.D., Hiromasa Otake, M.D., Ph.D., Satoru Suwa, M.D., Ph.D., Mamoru Nanasato, M.D., Ph.D., +20 , for the PREMIUM Trial Investigators, Aspirin Omission at the Time of Primary Percutaneous Coronary Intervention in STEMI, Published August 29, 2026, DOI: 10.1056/NEJMoa2606997

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