Ein großer Teil der jungen Erwachsenen betroffen
Atherosklerose beginnt offenbar schon unbemerkt im jungen Erwachsenenalter. Das ist das Ergebnis einer Studie, die beim diesjährigen ESC-Kongress vorgestellt wurde. Der Anteil der Betroffenen ist dabei erstaunlich hoch – mit weitreichenden gesundheitlichen Konsequenzen.
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Es kann auch junge Menschen treffen: Das ist die Kernaussage der REACT-Studie. Sie bietet damit Möglichkeiten, die Prävention auch auf jüngere Menschen auszuweiten (Symbolbild).
Die meisten kardiovaskulären Todesfälle sind direkt auf Atherosklerose zurückzuführen. Umso erschreckender, dass bereits sehr junge Menschen von der sogenannten stillen Atherosklerose betroffen sind. Das ist das Ergebnis einer internationalen Studie, die mithilfe bildgebender Verfahren untersucht hat, wie häufig und wie stark Menschen ab einem Alter von 19 Jahren betroffen sind. Vorgestellt wurden die Ergebnisse kürzlich beim ESC-Kongress in München.
Die Suche nach den Plaques
In der REACT-Studie wurden 16.808 Erwachsene zwischen 18 und 70 Jahren ohne bekannte atherosklerotische kardiovaskuläre Erkrankung untersucht. Die Teilnehmenden – zu gleichen Teilen Männer und Frauen – wurden fünf Altersgruppen zugeordnet. Mittels dreidimensionaler Gefäßsonografie der Karotis- und Femoralgefäße sowie Koronar-CT-Angiografie wurde nach stummer Atherosklerose gesucht. Die Ergebnisse der Analyse wurden auch im Fachmagazin NEJM veröffentlicht.
„Derzeit wird das Risiko einer Person, an einer atherosklerotischen Herz-Kreislauf-Erkrankung zu erkranken, anhand ihrer Risikofaktoren wie Alter, Geschlecht, Rauchverhalten, Blutdruck und Cholesterinwerte eingeschätzt, und dies entscheidet darüber, ob Strategien zur Primärprävention verordnet werden“, erklärte der Erstautor der Studie, Prof. Henning Bundgaard (Rigshospitalet - Copenhagen University Hospital, Dänemark), in einer Mitteilung anlässlich des Kongresses. Dieser Ansatz stütze sich auf eine Schätzung und nicht auf die Kenntnis des Vorliegens der tatsächlichen Erkrankung im Sinne atherosklerotischer Plaques. „Möglicherweise verpassen wir wichtige Gelegenheiten, Herz-Kreislauf-Ereignisse bei Personen zu verhindern, bei denen sich bereits vor vielen Jahren Atherosklerose gebildet hat.“
Mehr als die Hälfte der jungen Menschen betroffen
Die Analyse zeigte folgende Ergebnisse:
- Die Wissenschaftler fanden bei insgesamt 57,1 Prozent der Teilnehmenden eine subklinische Atherosklerose (95%-KI 56,3–58,0). Bereits bei den 18- bis 29-Jährigen ließen sich Gefäßveränderungen bei 8,7 Prozent der Männer und 6,7 Prozent der Frauen feststellen.
- Mit zunehmendem Alter stieg die Prävalenz weiter an.
- Bei Frauen zeigte sich der Anstieg in der Lebensmitte allerdings später und verlief dann steiler als bei Männern.
- Bei jüngeren Erwachsenen war die Atherosklerose überwiegend auf periphere Gefäße und meist auf ein einzelnes Gefäßgebiet beschränkt. Mit zunehmendem Alter nahm dagegen das Plaquevolumen exponentiell zu und mehrere Gefäßterritorien waren häufiger gleichzeitig betroffen.
- Die meisten Menschen mit einer asymptomatischen Atherosklerose im Herzen wiesen Atherosklerose in den Hals- und/oder Beinarterien auf.
- Eine ausschließlich die Koronararterien betreffende Atherosklerose war dagegen in allen Altersgruppen vergleichsweise selten. Sie wurde bei höchstens 9,3 Prozent der Männer und 5,0 Prozent der Frauen beobachtet.
„Diese Daten aus verschiedenen Regionen stützen das Konzept der stillen Atherosklerose als systemischen, fortschreitenden Krankheitsprozess, wobei bei Männern der atherosklerotische Verlauf etwa 5 bis 10 Jahre früher einsetzt als bei Frauen“, kommentierte Bundgaard die Ergebnisse der Studie. Sie unterstreiche damit, dass die Entwicklung der Atherosklerose lange vor dem Auftreten klinischer kardiovaskulärer Erkrankungen beginnen kann.
Einfache Diagnostik mit tragbarem Ultraschallgerät
Der Kardiologe fasste zusammen: „Die möglichst frühzeitige Erkennung und Behandlung der stillen Atherosklerose könnte dazu beitragen, die globale Belastung durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verringern. Unsere Ergebnisse sprechen für weitere prospektive Studien, um zu untersuchen, ob eine bildgebungsgestützte Behandlung von Patienten mit frühen Anzeichen der Erkrankung – die mithilfe eines tragbaren Ultraschallgeräts erkannt wurden – die aktuellen Standards verbessern kann. Im Erfolgsfall könnte dies einen Ansatz der Präzisionsmedizin bei atherosklerotischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen unterstützen.“
Auf der Grundlage der vorgestellten Ergebnisse ist nun eine groß angelegte randomisierte Studie geplant.
Originalpublikation:
Henning Bundgaard, M.D., D.M.Sc., Inés García-Lunar, M.D., Ph.D., Klaus F. Kofoed, M.D., D.M.Sc., Rasmus Hasselbalch, M.D., Ph.D., Carlos Nicolás Pérez-García, M.D., Ph.D., Joakim Bo Kunkel, M.D., Ph.D., Frederik Filip Stæger, Ph.D., +29, for the REACT Investigators, Prevalence of Silent Atherosclerosis across Adult Life, Published August 29, 2026, DOI: 10.1056/NEJMoa2609059
REACT - Prevalence of silent atherosclerosis across adult life, presented during HOT LINE 2 at ESC
Congress 2026 on 29 August from 08:15 to 09:45 in Munich (Main Auditorium – Hall B3)