Frühes „Mutter-Geld“ für eine spätere Alterung der Kinder?
Langfristiges Haushalten zahlt sich offenbar aus: Geldzahlungen an einkommensschwache Mütter verbessern die Gesundheit von Kindern im Erwachsenenalter. Zu diesem Schluss kommt eine in der Fachzeitschrift „Nature Human Behaviour“ veröffentlichte Studie. Sie zeigt, dass finanzielle Unterstützung für einkommensschwache Mütter in den ersten vier Lebensjahren ihrer Kinder deren biologische Alterung beeinflussen kann.
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Geld kann offenbar helfen: Geldzahlungen an einkommensschwache Mütter verbessern die Gesundheit von Kindern im Erwachsenenalter, so eine Studie. (Symbolbild)
„Die Ergebnisse stützen die Auffassung, dass die Bekämpfung von Kinderarmut eine wichtige gesundheitspolitische Aufgabe ist, um die Gesundheit langfristig zu schützen“, wird die Erstautorin Laurel Raffington vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in einer Mitteilung des Instituts zitiert. „Frühere Studien haben Korrelationen aufgezeigt, die darauf hindeuten, dass Armut die epigenetische Alterung bei Kindern beschleunigen könnte. Korrelationen allein erlauben jedoch keine Aussage darüber, ob sich dieser Prozess durch gezielte Maßnahmen verlangsamen lässt. Umso bemerkenswerter ist der Nachweis eines tatsächlichen ursächlichen Effekts der Geldzahlungen.“
Methodik
Ziel der vierjährigen randomisierten kontrollierten US-Studie mit dem Namen „Baby’s First Years“ war es, zu untersuchen, ob bedingungslose Geldtransfers an Mütter mit geringem Einkommen die biologischen Alterungsindikatoren bei ihnen und ihren Kindern beeinflussen könnten. Im Rahmen der Studie erhielten insgesamt 1.000 Mütter mit geringem Einkommen nach dem Zufallsprinzip entweder 333 Dollar oder 20 Dollar pro Monat.
Ergebnisse
- Im Alter von vier Jahren wiesen die Kinder der Gruppe mit der höheren Transferzahlung epigenetische Marker auf, die mit einer langsameren biologischen Alterung in Verbindung stehen.
- Da die Zuordnung nach dem Zufallsprinzip erfolgte, konnten die Forscher diesen Effekt direkt auf die Geldtransfers selbst zurückführen, auch ohne zusätzliche psychosoziale oder ernährungsbezogene Unterstützung.
- Der biologische Alterungsprozess der Mütter unterschied sich nicht zwischen den Gruppen. Noch ist nicht geklärt, ob die epigenetischen Unterschiede bei den Kindern bestehen bleiben oder langfristige gesundheitliche Folgen vorhersagen.
Einordnung – frühere Studien
Frühere Studien des Projekts „Baby’s First Years“ ergaben, dass Mütter, die höhere Geldtransfers erhielten, sowohl ihre Ausgaben für als auch die Zeit mit Aktivitäten für ihre kleinen Kinder erhöhten. Zudem könnte die Intervention zu einer stärkeren schnellen Gehirnaktivität geführt haben, und zwar in Mustern, die mit der späteren kognitiven Entwicklung in Zusammenhang stehen. Es wurden jedoch keine Unterschiede bei anderen Messgrößen der Gesundheit sowie der kognitiven und verhaltensbezogenen Entwicklung der Kinder festgestellt. Die vorliegende Studie zeigt, dass Geldtransfers allein – auch ohne begleitende psychosoziale oder ernährungsbezogene Maßnahmen – geringe, aber potenziell wichtige Auswirkungen auf die biologische Entwicklung von Kindern haben können.
Epigenetische Marker
Epigenetische Marker reagieren auf Einflüsse wie Stress, Ernährung und Alterungsprozesse. Sie stehen zudem mit der Geschwindigkeit des Alterns bei Erwachsenen sowie dem Zeitpunkt des Auftretens bestimmter Krankheiten in Zusammenhang. Die Unterschiede in der Epigenetik der Kinder zwischen den beiden Gruppen waren gering, und „es bleibt abzuwarten, ob diese Unterschiede auch im Laufe des Heranwachsens bestehen bleiben“, merken die Letztautorinnen der Studie, Kimberly Noble und Kathryn Paige Harden, an. „Sollten diese Unterschiede weiterhin bestehen“, sagt Noble, Professorin am Teachers College der Columbia University, „könnte diese Arbeit Impulse für frühkindliche Fördermaßnahmen liefern, die darauf abzielen, Ungleichheiten in Bezug auf Gesundheit, Krankheit und Lebenserwartung zu verringern.“ Harden, Professorin an der University of Texas in Austin, ergänzt: „Die Tatsache, dass wir bereits bei vierjährigen Kindern Unterschiede in ihrer biologischen Alterung feststellen, ist bemerkenswert.“
Originalpublikation:
Raffington, L., Willems, Y. E., Sperber, J. F., Zarandooz, S., Costanzo, M. A., Notterman, D. A., Mitchell, C., Tucker-Drob, E. M., Duncan, G. J., Fox, N. A., Gennetian, L. A., Magnuson, K. A., Troller-Renfree, S. V., Yoshikawa, H., Binder, E. B., Harden, K. P., & Noble, K. G. (2026). Effects of a randomized controlled trial of unconditional cash transfers on epigenetic measures of ageing and cognition in children and mothers. Nature Human Behaviour. Advance online publication. https://doi.org/10.1038/s41562-026-02568-4
Quelle: Max-Planck-Institut für Bildungsforschung