Eileiter entfernen „sobald sich Gelegenheit ergibt"
Neue Empfehlungen zur prophylaktischen Salpingektomie: Fachleute des American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG) sprechen sich nun deutlicher dafür aus, die Entfernung beider Eileiter bei geeigneten, ohnehin geplanten Operationen anzubieten, um das Risiko für ein Ovarialkarzinom zu senken.
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Noch keine generelle Empfehlung: Bei Frauen ohne (bekannt) erhöhtes Risiko wird der Eingriff nicht generell befürwortet. Im Rahmen einer weiteren Operation hingegen schon (Symbolbild).
„Es ist schon seit geraumer Zeit bekannt, dass die meisten epithelialen Eierstockkrebserkrankungen ihren Ursprung im Eileiter haben“, wird Dr. David I. Shalowitz, Leiter der Onkologie bei Corewell Health in Grand Rapids, Michigan, in einem Artikel, veröffentlicht in JAMA, zitiert.
Etwa 80 Prozent der hochgradig serösen Karzinome entstehen in den Fimbrien. Je nach familiärem Risiko wird Betroffenen von gewissen genetischen Varianten bereits jetzt schon empfohlen, die Tuben und Ovarien entfernen zu lassen. Allerdings war es bislang unklar, ob auch Frauen ohne explizite genetische Risikokonstellation den Eingriff durchführen lassen sollten. Dies soll sich nun ändern. Denn inzwischen gibt es fundierte Belege dafür, dass die Entfernung beider Eileiter im Rahmen einer bereits geplanten Operation – ein Eingriff, der als „opportunistische bilaterale Salpingektomie“ bezeichnet wird – möglicherweise der beste Weg ist, um das Risiko für Eierstockkrebs bei allen Frauen drastisch zu senken.
Eileiterentfernung senkt offenbar das Krebsrisiko
Das Lebenszeitrisiko für ein Ovarialkarzinom ist bei Frauen mit durchschnittlichem Risiko zwar relativ niedrig, die Erkrankung gehört jedoch weiterhin zu den häufigsten krebsbedingten Todesursachen bei Frauen. Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt insgesamt bei etwa 52 Prozent, bei metastasierter Erkrankung bei rund 31 Prozent. Da es keine zuverlässigen Screeningverfahren gibt und die Symptome häufig unspezifisch sind, werden viele Erkrankungen erst nach Ausbreitung des Tumors diagnostiziert.
Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse hatte bei Frauen nach bilateraler Salpingektomie ein um etwa 48 Prozent niedrigeres Ovarialkarzinomrisiko gezeigt. Eine 2026 publizierte große Kohortenstudie mit rund 86.000 Frauen fand nach opportunistischer bilateraler Salpingektomie im Vergleich zu Hysterektomie allein oder Tubenligatur sogar eine knapp 80-prozentige Risikoreduktion über eine mediane Nachbeobachtungszeit von etwa fünf Jahren.
Option bei ohnehin geplanten Eingriffen anbieten
Die aktualisierten ACOG-Empfehlungen umfassen verschiedene operative Situationen:
- Bei einer geplanten Hysterektomie sollen Gynäkologinnen und Gynäkologen die gleichzeitige Entfernung der Eileiter nach entsprechender Aufklärung und Einwilligung routinemäßig anbieten.
- Auch bei anderen gynäkologischen Operationen sowie bei Kaiserschnitten soll eine Salpingektomie Frauen angeboten beziehungsweise empfohlen werden, wenn ihre Familienplanung abgeschlossen ist oder sie keine Kinder bekommen möchten.
- Bei einer geplanten dauerhaften operativen Kontrazeption wird die vollständige Entfernung beider Eileiter gegenüber der Tubenligatur als bevorzugte Methode genannt.
- Ferner können Gynäkologen mit anderen chirurgischen Fachrichtungen zusammenarbeiten, um eine Salpingektomie auch bei ohnehin geplanten nicht-gynäkologischen abdominalen Eingriffen anzubieten. Dazu gehören beispielsweise Cholezystektomien oder bariatrische Operationen. Eine generelle Empfehlung, bei jeder solchen Operation die Eileiter zu entfernen, besteht jedoch nicht.
Langzeitfolgen noch unzureichend erforscht
Da die Eileiter eine gemeinsame Blutversorgung mit den Ovarien besitzen, wird ein möglicher Einfluss auf die ovarielle Funktion theoretisch diskutiert, Langzeitfolgen wurden bislang nicht untersucht. Hinweise auf relevante negative Auswirkungen auf die Ovarialfunktion liegen jedoch bislang nicht vor, betont die Autorin des Artikels.
Auch der optimale Zeitpunkt für eine Salpingektomie ist noch nicht abschließend geklärt. Einige Untersuchungen deuten darauf hin, dass eine Entfernung vor dem 50. Lebensjahr möglicherweise stärker zur Risikoreduktion beiträgt. Für eine generelle Empfehlung dieses Vorgehens bei allen Frauen zur Krebsprävention reicht die Langzeitdatenlage derzeit jedoch nicht aus. Die Autorin rät, bei abgeschlossener Familienplanung die Salpingektomie mit der Patientin gemeinsam zu diskutieren.
Gemeinsame Entscheidung und gute Aufklärung
Die neuen Empfehlungen zielen darauf, die Salpingektomie bei ohnehin geplanten Operationen stärker in die klinische Praxis zu integrieren. Da die Salpingektomie eine dauerhafte Form der Sterilisation darstellt, müssen Nutzen, Risiken, zusätzlicher Operationsaufwand und die Konsequenzen für die zukünftige Fertilität vor dem Eingriff besprochen werden, betont die Autorin. Zudem reduziere die Entfernung der Eileiter das Ovarialkarzinomrisiko zwar deutlich, beseitige es aber nicht vollständig.
Originalpublikation:
Rodgers L. Remove the Fallopian Tubes If the Opportunity Arises, ACOG Says in New Ovarian Cancer Prevention Guidance. JAMA. Published online September 25, 2026.
doi:10.1001/jama.2026.19503