Wenn der Laptop zum dermatologischen Problem wird
Ein Junge entwickelt unklare Hautveränderungen am Bauch, die nach einem Anpralltrauma aufgetreten sind, und stellt sich in einer Klinik vor. Doch im Laufe der folgenden Wochen wird das vermeintilche Hämatom immer größer, so dass nun auch andere Ursachen in Augenschein genommen werden.
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Loco typico: Das Erythema ab igne durch Laptops findet man eher auf den Oberschenkeln. Bekannt ist die Hauterscheinung darüber hinaus nach länger dauernder Anwendung von Wärmflaschen (Symbolbild).
Ein Junge im mittleren Kindesalter stellt sich mit einem vermeintlich spontanen Bluterguss in der pädiatrischen Notaufnahme in Großbritannien vor. Seit etwa einer Woche besteht im rechten Oberbauch eine zunächst rötlich-braune Hautveränderung. Sie ist weder schmerzhaft noch juckend und verändert ihre Größe zunächst nicht. An ein Trauma können sich weder der Junge noch seine Eltern erinnern. Weitere Beschwerden bestehen nicht, berichten die Autoren im Journal BMJ Case Reports.
Ein ungewöhnlicher „Bluterguss“
Bei der Untersuchung zeigt sich ein etwa 15 cm großes, flaches, netzartig strukturiertes, rötlich-braunes Areal. Die Ränder sind unscharf und gehen allmählich in die umgebende Haut über. Die übrige körperliche Untersuchung sowie die Laboruntersuchungen sind unauffällig.
Ein Röntgenbild des Thorax zeigt allerdings eine kleine Konsolidierung im linken Unterlappen. Erst auf konkrete Nachfrage berichtet der Junge, dass er eine Woche zuvor mit seinem Geschwisterkind gerauft hat und dabei gegen einen Stuhl gestoßen wurde. Diese nachträgliche Information lässt die Ärzte zunächst an eine traumatische Ursache der Hautveränderung denken, womöglich sogar an eine Verletzung der Leber. Eine CT-Untersuchung zeigt jedoch keine intraabdominelle Verletzung und der Befund der kleinen pulmonale Verdichtung entspricht dem im Röntgenbild. Bei ansonsten unauffälligem Befund wird der Junge mit oraler Antibiose nach Hause entlassen – den Autoren zufolge, da weiter keine Ursache gefunden wurde.
Deutliche Zunahme des „Flecks“
Einige Wochen später kommt er erneut in die Klinik. Die Hautveränderung hat sich ausgedehnt und ist inzwischen auch schmerzhafter. Das Areal ist ingesamt stärker gerötet und innerhalb der braunen Verfärbung findet Areale mit gelöster Haut.
Nun wird die Diagnose eines Blutergusses infrage gestellt und das erste Mal an ein Erythema ab igne durch eine kontinuierliche Wärmezufuhr gedacht. Eine erste Befragung nach häufigen Wärmequellen bleibt jedoch zunächst ohne Ergebnis. Erst eine ausführlichere Anamnese bringt die entscheidende Spur: Der Junge wird zu Hause unterrichtet und arbeitet täglich mit einem Laptop. Dabei liegt das Gerät häufig direkt auf seinem Bauch – bis zu acht Stunden am Tag.
Nach Entfernen der Wärmequelle heilt die Haut ab
Die Familie wird über den gutartigen Charakter der Hautveränderung aufgeklärt. Die betroffene Stelle wird verbunden und der Junge angewiesen, weitere direkte Wärmeeinwirkung zu vermeiden. Im telefonischen Follow-up berichtet der Vater mehrere Monate später über eine schrittweise Besserung.
Hintergrund: Erythema ab igne (EAI)
Ein durch Laptops verursachtes EAI ist aus der Literatur vor allem bei Erwachsenen bekannt und wird bei Kindern seltener beschrieben. Typischerweise entsteht die Hautveränderung nach einer über Wochen oder Monate wiederholten Wärmeexposition und betrifft häufig die Oberschenkel. Auch diagnostische Verzögerungen und Fehldeutungen sind beschrieben. Berichte aus der COVID-19-Pandemie weisen auf zunehmende Fälle bei Kindern hin, die mit Homeschooling und einer längeren Nutzung elektronischer Geräte in Zusammenhang gebracht werden.
Zunächst mehrere Differenzialdiagnosen
Aufgrund des netzartigen Hautbildes kam zunächst eine Livedo reticularis, eine Vaskulitis und ein Trauma infrage. Gegen eine Livedo reticularis sprachen das Fehlen systemischer Beschwerden und die streng lokalisierte Anordnung. Auch für eine Vaskulitis fanden sich weder klinische Begleitsymptome noch auffällige Laborbefunde.
Nachdem der Junge von einem Stoß gegen einen Stuhl berichtete, wurde zunächst ein traumatischer Ursprung angenommen. Der weitere Verlauf passte jedoch nicht dazu: Die Untersuchungen sind unauffällig, die Hautveränderung ist nicht schmerzhaft und nimmt trotz der Zeit an Ausdehnung und Intensität zu. Erst bei der erneuten Vorstellung und einer gezielten Nachfrage nach Wärmequellen wure die Diagnose eines Erythema ab igne (EAI) gestellt.
Die Autoren sehen in ihrem Fall ein Beispiel dafür, wie wichtig es ist, bei Kindern mit netzartigen Hautausschlägen ein durch Laptops verursachtes Erythema ab igne in Betracht zu ziehen. Eine frühzeitige Erkennung könne Fehldiagnosen, unnötige Untersuchungen und vermeidbare Strahlenbelastung verhindern.
Originalpublikation:
Znagoveanu M, Artley E, Erythema ab igne in a paediatric patient: an unexpected cause, BMJ Case Reports CP 2026;19:e270756. https://doi.org/10.1136/bcr-2025-270756