Rund 8.000 angestellte Ärztinnen und Ärzte planen den Schritt in die eigene Praxis
Die eigene Praxis ist für viele ambulant angestellte Ärzte und Psychotherapeuten offenbar keineswegs vom Tisch. Einer Befragung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung zufolge haben rechnerisch rund 8.000 der bundesweit etwa 55.000 angestellten Ärzte und Psychotherapeuten konkrete Niederlassungspläne. Die meisten von ihnen wollen diesen Schritt innerhalb der kommenden fünf Jahre gehen.
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Zi-Chef Dr. Dominik Von Stillfried warnte davor, dass wechselnde politische Rahmenbedingungen die Bereitschaft zur Niederlassung beeinträchtigen könnten.
Insgesamt gaben 14,5 Prozent der Befragten an, sich künftig niederlassen zu wollen. Weitere 22,1 Prozent waren noch unentschlossen. Gerade bei jüngeren Angestellten ist die eigene Praxis weiterhin eine Option: Von den unter 35-Jährigen planen 39,8 Prozent eine Niederlassung, bei den 35- bis 39-Jährigen sind es 31,5 Prozent. Mit zunehmendem Alter nimmt die Bereitschaft deutlich ab.
Bei vielen Befragten, die sich niederlassen wollen, sind die Pläne bereits recht konkret. 29,7 Prozent derjenigen, die sich niederlassen wollen, planen den Schritt innerhalb des nächsten Jahres, weitere 53 Prozent innerhalb von ein bis fünf Jahren. Dabei denken die meisten nicht an eine Neugründung. Häufiger genannt werden die Übernahme einer bestehenden Praxis (19,9 Prozent), einer Teilzulassung in der Praxis der aktuellen Anstellung (18,3 Prozent) oder die Übernahme der Praxis, in der die Befragten bereits angestellt sind (15,0 Prozent).
Für einen Teil der Angestellten ist die Beschäftigung ausdrücklich nur eine Zwischenstation. 14,4 Prozent sehen sie als Übergang in die Niederlassung, weitere 15,8 Prozent als Phase beruflicher Orientierung. Für gut ein Drittel ist die Anstellung dagegen das gewünschte dauerhafte Arbeitsmodell. „Die Debatte über Anstellung und Niederlassung wird häufig als Entweder-oder geführt. Unsere Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild: Für viele in der ärztlichen oder psychotherapeutischen Versorgung Tätige ist die ambulante Anstellung ein wichtiger Teil des Weges in die eigene Praxis“, kommentierte Zi-Vorstandsvorsitzender Dr. Dominik von Stillfried die Umfrageergebnisse.
Bürokratie und Organisation bereiten die größten Sorgen
Wer diesen Weg gehen will, sieht die größten Schwierigkeiten vor allem in den Rahmenbedingungen. Besonders häufig nennen die Befragten Bürokratie, Planung und Organisation, fehlendes betriebswirtschaftliches Wissen, Finanzierung und das Zulassungsverfahren als Hürden. Auch die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben spielt eine Rolle.
Das Zi sieht hier einen Ansatzpunkt für Beratungsangebote. „Der Bericht legt nahe, diese Angebote noch stärker am jeweiligen Entscheidungsstand auszurichten: Unentschlossene benötigen zunächst Orientierung zu Chancen, Risiken und realistischen Niederlassungsformen, während Personen mit konkreten Plänen vor allem praktische Unterstützung bei Finanzierung, Praxismanagement, Abrechnung, Steuerfragen, regulatorischen Anforderungen und Digitalisierung brauchen.“
Von Stillfried warnte zugleich davor, dass wechselnde politische Rahmenbedingungen die Bereitschaft zur Niederlassung beeinträchtigen könnten. Die Befragung sei noch vor Beschluss und Inkrafttreten des Beitragssatzstabilisierungsgesetzes erfolgt. Kurzfristige politische Eingriffe, die für Praxen finanzielle Einbußen bedeuteten, könnten nach seiner Einschätzung Vertrauen kosten und die Niederlassungsbereitschaft schwächen.
Das Zi hatte zwischen Ende Januar und Ende April 2025 alle rund 55.000 ambulant angestellten Ärzte und Psychotherapeuten zur Teilnahme eingeladen. 3.242 Fragebögen wurden vollständig ausgefüllt, die Rücklaufquote lag bei 5,9 Prozent. Für die gewichtete Auswertung standen Angaben von 3.047 Teilnehmern zur Verfügung. Die Erhebung ist Teil der Zi-Studie zur ärztlichen und psychotherapeutischen Karrierewahl und Existenzgründung (KWEX).