Eating Jetlag belastet das Herz
Frühstück vor der Arbeit, später Brunch am Wochenende: Für viele Menschen verschieben sich die Essenszeiten zwischen Arbeits- und freien Tagen deutlich. Eine große französische Kohortenstudie deutet darauf hin, dass dieser „Eating Jetlag“ auch für die Herzgesundheit eine Rolle spielen könnte – zumindest bei Männern.
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Wer unter der Woche früh und am Wochenende deutlich später frühstückt, verändert regelmäßig seinen Essensrhythmus (Symbolbild).
Arbeitszeiten strukturieren häufig nicht nur Schlaf und Freizeit, sondern auch die Mahlzeiten. An freien Tagen verschiebt sich dieser Rhythmus dagegen oft. Als „Eating Jetlag“ bezeichnen Forschende Unterschiede im zeitlichen Essensrhythmus zwischen Arbeits- und freien Tagen.
Ob solche Verschiebungen langfristig mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammenhängen, untersuchte nun ein französisches Forschungsteam anhand der prospektiven NutriNet-Santé-Kohorte. Die Ergebnisse wurden in Communications Medicine veröffentlicht.
Essensrhythmus von Werktagen und Wochenende verglichen
In die Analyse gingen 104.806 Erwachsene mit einem mittleren Alter von knapp 43 Jahren ein. Rund 79 Prozent waren Frauen. Die Teilnehmer hatten wiederholt detaillierte 24-Stunden-Ernährungsprotokolle ausgefüllt und darin auch die Uhrzeiten sämtlicher kalorienhaltiger Speisen und Getränke dokumentiert.
Die Forschenden bestimmten für Wochen- und Wochenendtage jeweils den zeitlichen Mittelpunkt zwischen der ersten und letzten Kalorienaufnahme. Die Differenz zwischen beiden galt als Maß für den Eating Jetlag.
Zusätzlich unterschieden sie drei Gruppen: Personen mit weitgehend konstanten Essenszeiten, solche, deren Essensrhythmus am Wochenende um mehr als eine Stunde nach vorn verschoben war, und Teilnehmer mit einer entsprechenden Verschiebung nach hinten.
Während einer medianen Nachbeobachtung von gut acht Jahren traten 2.368 kardiovaskuläre Ereignisse auf, darunter 1.270 koronare und 1.098 zerebrovaskuläre Ereignisse.
Höheres kardiovaskuläres Risiko bei Männern
Bei Männern zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen der Ausprägung des Eating Jetlags und dem kardiovaskulären Risiko. Mit jeder zusätzlichen Stunde Unterschied zwischen Wochen- und Wochenendrhythmus war das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um etwa 14 Prozent erhöht. Für koronare Herzkrankheiten betrug die Risikoerhöhung rund 21 Prozent.
Bei Frauen ließ sich dagegen kein entsprechender Zusammenhang nachweisen. Auch für zerebrovaskuläre Erkrankungen ergab sich keine Assoziation.
Dabei schien nicht allein eine Verschiebung zu späteren Essenszeiten relevant zu sein. Männer, die am Wochenende deutlich früher aßen als unter der Woche, wiesen ebenfalls ein höheres koronares Risiko auf. Für die Autoren spricht dies dafür, dass vor allem die Abweichung vom gewohnten Rhythmus eine Rolle spielen könnte.
Regelmäßigkeit könnte ebenso wichtig sein wie die Uhrzeit
Die Zusammenhänge bestanden auch nach Berücksichtigung zahlreicher möglicher Einflussfaktoren fort, darunter Ernährungsqualität, durchschnittliche Essenszeiten, Schlafdauer und Schlafenszeit. Auch eine zusätzliche Adjustierung für den sozialen Jetlag, also Unterschiede im Schlafrhythmus zwischen Arbeits- und freien Tagen, änderte die Ergebnisse nur wenig.
Als möglichen Mechanismus diskutieren die Autoren eine Störung zirkadianer Rhythmen. Die Nahrungsaufnahme dient als Zeitgeber für periphere biologische Uhren und kann damit Stoffwechselprozesse beeinflussen.
Bernard Srour vom französischen Forschungsinstitut INRAE ordnet die Ergebnisse in einer Pressemitteilung folgendermaßen ein: „Vor einigen Jahren haben wir darauf hingewiesen, dass spätes Essen mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden war. Diese neue Studie deutet darauf hin, dass es über das späte Essen hinaus ebenso wichtig sein könnte, zwischen Werktagen und Wochenenden konstante Essenszeiten beizubehalten.“
Beobachtungsdaten erlauben keine Kausalaussage
Die Ergebnisse belegen allerdings nicht, dass wechselnde Essenszeiten Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen. Auch lagen keine individuellen Angaben zu den tatsächlichen Arbeitstagen vor, sondern die Forschenden setzten Montag bis Freitag mit Arbeitstagen und Samstag sowie Sonntag mit freien Tagen gleich.
Die Autoren sehen die Ergebnisse deshalb als Ausgangspunkt für weitere Untersuchungen. Sollten sich die Befunde bestätigen, könnte neben der Qualität und dem Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme auch ein möglichst regelmäßiger Essensrhythmus stärker in der kardiovaskulären Prävention berücksichtigt werden.
Originalpublikation: Le Folcalvez X et al. Eating jetlag based on meal timing discrepancies and risk of cardiovascular disease using the prospective cohort NutriNet-Santé. Communications Medicine. 2026. DOI: 10.1038/s43856-026-01758-5