Finanzskandal bei Kassen und KVen:

Immer neue Details zu Millionenverlusten

Der Finanzskandal um Fehlinvestitionen bei Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen kommt nicht aus den Schlagzeilen. Neue Recherchen beziffern die Verluste von drei weiteren Krankenkassen auf insgesamt rund 100 Millionen Euro. Bei der KV Berlin wirft ein bislang unveröffentlichter Prüfbericht Fragen zur Einhaltung der eigenen Anlagerichtlinien auf.

©Who is Danny/Adobe.Stock.com Die Fehlinvestments der Kassen und KVen sind heute Thema bei "Plusminus" in der ARD.

Der Finanzskandal um riskante Geldanlagen bei Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) zieht weitere Kreise. Nach gemeinsamen Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung (SZ), die am Mittwoch veröffentlicht wurden, haben die Bahn BKK und die Viactiv-Krankenkasse jeweils rund 40 Millionen Euro durch Investitionen in den Veriusfonds verloren. Bei der Siemens BKK beläuft sich der Verlust demnach auf weitere 20 Millionen Euro.

Die drei Krankenkassen hatten bislang keine konkreten Angaben zur Höhe ihrer Verluste gemacht. Auch auf die aktuellen Recherchen reagierten sie zurückhaltend. Die Viactiv verwies auf laufende Prüfungen ihrer Investitionen, die Siemens BKK auf die juristische und fachliche Aufarbeitung. Die Bahn BKK reagierte laut dem Medienbericht nicht auf mehrfache Nachfragen.

Zweifel an Einhaltung der Anlagerichtlinie bei KV Berlin

Neue Fragen werfen die Recherchen auch zur Finanzverwaltung der KV Berlin auf. Sie hatte rund 15 Millionen Euro in den problematischen Veriusfonds investiert. Ein bislang unter Verschluss gehaltener Prüfbericht, lässt dem Bericht zufolge nun Zweifel daran aufkommen, ob die KV bei ihren Investments die eigenen Anlagerichtlinien eingehalten hat.

Die KV Berlin hatte demnach bereits 2024 die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Forvis Mazars mit einer Sonderprüfung ihrer Finanzbuchhaltung beauftragt. Zwischen Oktober 2024 und März 2025 untersuchten die Prüfer sechs Geldanlagen im Gesamtumfang von 42 Millionen Euro. Bei fünf dieser sechs Anlagen äußerten sie laut dem Medienbericht „Zweifel hinsichtlich der Übereinstimmung dieser Finanzprodukte mit der Anlagerichtlinie“. Betroffen waren Investments im Umfang von 36 Millionen Euro, darunter auch die Anlage im Veriusfonds.

Verstöße gegen gesetzliche Vorschriften stellten die Wirtschaftsprüfer allerdings nicht fest. Ein Teil des damaligen KV-Vorstands widersprach zudem ihrer Bewertung. Nach seiner Auffassung sei die eigene Anlagerichtlinie nicht restriktiver als die gesetzlichen Vorgaben für Finanzanlagen von KVen.

Der aktuelle Vorstand der KV Berlin wollte sich auf Anfrage nicht konkret zu den Ergebnissen äußern. Die Vertreterversammlung stellte laut dem Bericht lediglich in Aussicht, sich mit den Fragen zu befassen.

Das Ausmaß der problematischen Geldanlagen reicht weit: Aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsabgeordneten Paula Piechotta geht hervor, dass bundesweit tätige Krankenkassen insgesamt mehr als 1,1 Milliarden Euro in riskante Finanzprodukte investiert haben (der änd berichtete). Hinzu kommen mehrere hundert Millionen Euro, die KVen in vergleichbare Anlagen gesteckt haben. Diese Beträge sind in der Auskunft der Bundesregierung zu den Krankenkassen nicht enthalten.

Die ARD berichtet heute 21.45 Uhr in der Sendung „Plusminus“ über die Fehlinvestments von Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen.

Infokasten: Der umstrittene Verius-Fonds

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