„Wir haben es alle satt“
Medizinstudierende in ganz Deutschland machen mobil: Mit einer neuen Petition sowie bundesweiten Demos und anderen Protestaktionen wollen sie Bund und Länder dazu bringen, eine seit Jahren geforderte Reform des Medizinstudiums umzusetzen. Drei Kernforderungen stehen dabei im Mittelpunkt.
©David-Luc Adelmann, bvmd
Für die Woche vom 26. bis 30. Oktober sind bundesweite Demos von Medizinstudierenden geplant. (Archivbild einer früheren Demo)
„Das Medizinstudium steckt in vielen Bereichen noch immer in den Strukturen der 1970er Jahre fest. Die seit Jahren angekündigte Reform wird durch den Streit um ihre Finanzierung zwischen Bund und Ländern verschleppt. Währenddessen arbeiten Medizinstudierende im Praktischen Jahr (PJ) vielerorts in Vollzeit – teilweise ohne jede Aufwandsentschädigung. Damit muss Schluss sein“, heißt es im Einleitungstext der Petition „SOS – Stillstand oder Spitzenmedizin?”, die die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) am 2. Oktober auf den Weg gebracht hat. Sie sei der „Auftakt für eine neue Protestbewegung“, betont die Studierenden-Vereinigung in einer Pressemitteilung. In dieser kündigt sie auch Demonstrationen an. In der Woche vom 26. bis 30. Oktober würden tausende Medizinstudierende bundesweit auf die Straße gehen, erwartet die bvmd.
Drei Kernforderungen nennen die Studierenden-Vertreterinnen und -Vertreter in ihrer Petition: die Umsetzung des Entwurfs zur neuen ärztlichen Approbationsordnung, eine bundesweite Mindest-Aufwandsentschädigung im Praktischen Jahr (PJ) und für diese Zeit außerdem zehn zusätzliche Krankheitstage.
Die seit Jahren geplante Modernisierung der Approbationsordnung stockt vor allem auch deshalb, weil Bund und Länder sich bislang nicht über die Finanzierung einigen konnten. Mit einer solchen Reform würde unter anderem eine Stärkung der ambulanten Medizin im Studium einhergehen sowie ein „Z-Curriculum“ eingeführt werden, welches Vorklinik, Klinik und das klassische Physikum ablösen würde. Stattdessen hätten die Studierenden ab dem ersten Semester Patientenkontakt.
Die bvmd erhofft sich durch eine neue Approbationsordnung eine bessere Vorbereitung der Medizinstudentinnen und -studenten auf Praxis, Niederlassung und den Versorgungsalltag. Paula Szumotalski, Bundeskoordinatorin für Medizinische Ausbildung bei der bvmd, drückt es mit deutlichen Worten aus: „Wir haben es alle satt: veraltete Didaktik mit theorielastiger Vorklinik, Auswendiglernen statt Kompetenzen und das völlige Fehlen zukunftsorientierter Inhalte wie Digitalisierung oder Primärversorgung. Wir dürfen bei den anstehenden Reformen des Gesundheitssystems nicht vergessen werden.“
Die Mitzeichnungsfrist der Petition endet am 1. April 2027. Das nötige Quorum beträgt 30.000 Unterschriften. Zu den Erstunterzeichnern gehören auch große Ärzteverbände wie der Marburger Bund und der Hartmannbund. Hier geht’s zu Petition.
Einen Überblick über alle Protest-Veranstaltungen und weitere Hintergrundinformationen gibt es hier.