änd-Umfrage zur Streichung der Telefon-AU und Attestpflicht

Die Empörung an der Basis hält sich in Grenzen

Die Empörung war groß, als die schwarz-rote Koalition vergangene Woche verkündete, sie wolle die telefonische Krankschreibung abschaffen und eine AU-Pflicht ab dem ersten Krankheitstag einführen. Noch am selben Tag veröffentlichten ärztliche Standesvertreter, aber auch Krankenkassen und Oppositionspolitikerinnen wütende Stellungnahmen. Von einer „Zumutung“ und „Irrsinn“ war da die Rede. An der ärztlichen Basis indes scheint man ob der Pläne weniger in Wallung zu sein. Zumindest zeigen die Ergebnisse einer änd-Umfrage, dass der Unmut unter den Leserinnen und Lesern gar nicht so groß ist.
 

©choja, stock.adobe.com Telefonierende Arzthelferin in der Praxis: Von der Möglichkeit, eine AU per Telefon auszustellen, macht die überwiegende Mehrheit der Befragten nur wenig bis selten Gebrauch.

Die änd-Redaktion wollte von den änd-Leserinnen und Lesern wissen, was Sie von den beiden im Reformpaket der Regierung aufgeführten Maßnahmen (Streichung der Telefon-AU und Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag) halten. Zwar ist die Mehrheit (58 Prozent) der Auffassung, dass die Pläne ein falscher Schritt sind. Aber immerhin knapp 40 Prozent finden die Pläne richtig.
 

Und auch bei der Frage nach den möglichen Folgen zeigt sich, dass nicht wenige Leserinnen und Leser damit rechnen, dass die Koalition mit den beiden Maßnahmen ihr Ziel erreichen wird – nämlich, den Krankenstand abzusenken. So erwarten 29 Prozent, dass sich die Zahl der krankheitsbedingten Fehltage deutscher Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dadurch verringern wird.

Die überwiegende Mehrheit jedoch geht von negativen Auswirkungen auf den Praxisalltag aus. So schätzen zwei Drittel der Befragten, dass die neuen Regelungen – sollten sie tatsächlich so kommen – zu einer zusätzlichen Belastung der Praxen führen werden aufgrund von noch mehr Bürokratie und noch mehr Patientinnen und Patienten, die dann in die Sprechstunden strömen. Und 47 Prozent können sich sogar vorstellen, dass die Maßnahmen genau das Gegenteil des von der Regierung erhofften Ziels bewirken werden: Sie glauben, dass der Krankenstand sich damit erhöhen wird, weil Ärztinnen und Ärzte ihre Patientinnen und Patienten dann gleich für mehrere Tage krankschreiben, um einen wiederholten Patientenkontakt zu vermeiden.    

Darüber hinaus hat die Umfrage ergeben, dass die telefonische Krankschreibung gar nicht so verbreitet ist in den Praxen der änd-Leserinnen und -Leser. So gaben knapp zwei Drittel an, dass sie diese Möglichkeit nur wenig bis selten nutzen. Bei einem Drittel hält sich die Zahl der Telefon-AUs und die der Krankschreibungen, die nach persönlicher Untersuchung des Patienten beziehungsweise der Patientin erfolgen, ungefähr die Waage.  
 

Und bei der Frage danach, was die Abschaffung der Telefon-AU wohl für den eigenen Praxisalltag bedeutet, zeigt sich: 41 Prozent glauben, dass sie nach Einführung der Regelung keinen Unterschied zu vorher bemerken werden. Etwas weniger Befragte, aber immerhin 36 Prozent, rechnen mit einer deutlichen Mehrbelastung, die die eigene Praxis ans Limit bringen wird. Und 23 Prozent wirken eher gelassen, sie sagen: „Der Patientenstrom wird sicher zunehmen, aber das werden wir schon bewältigen können.“

An der Online-Erhebung des änd beteiligten sich vom 6. bis 9. Juli 2026 insgesamt 1102 niedergelassene Haus- und Fachärztinnen und -ärzte aus der gesamten Bundesrepublik. 

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