änd-Umfrage

Jeder fünfte Niedergelassene plant den Wechsel in die Privatpraxis

Der Gedanke an den Ausstieg aus der gesetzlichen Versorgung ist unter niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten weit verbreitet: Fast jeder fünfte Befragte (19 Prozent) gab im Rahmen der aktuellen änd-Umfrage an, den Wechsel in eine reine Privatpraxis bereits konkret zu planen. Weitere 59 Prozent haben sich mit diesem Schritt beschäftigt, sind aber noch unentschlossen. Nur 22 Prozent schließen diesen Weg grundsätzlich aus.


Das ist das Ergebnis der aktuellen Leserumfrage des Ärztenachrichtendienstes (änd) unter den Praxisärztinnen und -ärzten. An der Online-Erhebung beteiligten sich rund 840 Niedergelassene aus der gesamten Bundesrepublik.

Dabei fällt auf: Finanzielle Motive stehen bei den Überlegungen oft nicht an erster Stelle. Unter denjenigen, die den Schritt in die Privatpraxis konkret erwägen, nennen 89 Prozent den Wunsch, der Kassenbürokratie zu entkommen. 78 Prozent möchten ihr Arbeitspensum reduzieren oder Stress abbauen. Nur 43 Prozent verbinden mit dem Wechsel die Hoffnung auf höhere Einnahmen.

Die Freitextantworten zeichnen ein deutlich emotionaleres Bild. Viele Teilnehmende berichten von wachsender Frustration über Bürokratie, Reglementierung und mangelnde Wertschätzung. Wiederholt genannt werden der Wunsch nach mehr Zeit für Patienten, weniger wirtschaftlichem Druck und größerer ärztlicher Freiheit.
 


Gerade Unentschlossene beobachten Honorarentwicklung genau

Besonders aufschlussreich ist die Gruppe der Unentschlossenen – und sie ist mit Abstand die größte. Von ihnen nennen 90 Prozent die Entwicklung der GKV-Honorare als entscheidenden Faktor für ihre künftige Entscheidung. Fast ebenso häufig werden die künftigen Arbeitsbedingungen genannt – etwa Bürokratie, Sprechstundenregeln oder Kassenanfragen (88 Prozent). Dahinter folgen die Entwicklung der PKV-Honorare (51 Prozent) sowie Vorgaben rund um IT und Telematik-Infrastruktur (46 Prozent).

Ein Blick auf die Fachgruppen zeigt dabei unterschiedliche Dynamiken: Fachärzte stehen dem Modell Privatpraxis deutlich offener gegenüber als Hausärzte. Während 21 Prozent der fachärztlich Tätigen angeben, einen Wechsel konkret anzustreben, sind es unter Hausärzten nur 15 Prozent. Auch schließen Hausärzte den Schritt häufiger grundsätzlich aus: Ein Drittel (33 Prozent) sagt, eine reine Privatpraxis komme für sie nicht infrage – bei den Fachärzten sind es nur 17 Prozent.

Auch die Gründe unterscheiden sich. Hausärzte nennen häufiger wirtschaftliche Grenzen ihres Versorgungsumfelds: 72 Prozent derjenigen, die den Schritt in die Privatpraxis ausschließen, sagen, eine reine Privatpraxis sei in ihrer Region oder Fachgruppe wirtschaftlich kaum tragfähig. Bei den Fachärzten liegt dieser Wert bei 55 Prozent.

Gleichzeitig bleibt die Bindung an die bestehende Versorgung hoch: Unter denjenigen, die eine Privatpraxis für sich ablehnen, betont fast jeder Zweite, Kassenpatientinnen und Kassenpatienten nicht im Stich lassen zu wollen.
 


Prognose: Privatpraxen im Aufwind

Auffällig ist auch der Blick nach vorn: 73 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die Zahl rein privatärztlich tätiger Kolleginnen und Kollegen in ihrer Region in den kommenden Jahren deutlich steigen wird.

Im Vergleich zur gleichlautenden Befragung im Frühjahr 2024 zeigt sich dabei weniger ein Stimmungsumschwung als eine Verfestigung der Entwicklung. Schon in der Vorauswertung vom April 2024 war die Offenheit gegenüber dem Modell Privatpraxis hoch. Damals gaben 21 Prozent an, einen Wechsel konkret anzustreben; 61 Prozent waren unentschlossen.

Die aktuellen Ergebnisse liegen damit überraschend nah an den Vorjahreswerten. Der Wunsch nach dem Wechsel ist also nicht sprunghaft gestiegen. Verändert hat sich jedoch die Erwartung an die Zukunft des Systems: Im Frühjahr 2024 gingen 58 Prozent davon aus, dass die Zahl rein privatärztlich tätiger Kolleginnen und Kollegen steigen werde. Heute sind es 73 Prozent.

Auch bei den Einflussfaktoren verschiebt sich die Gewichtung leicht: Während 2024 vor allem die Arbeitsbedingungen dominierten, rücken inzwischen die GKV-Honorare noch stärker in den Mittelpunkt.

Die Ergebnisse legen nahe: Die Privatpraxis wird für viele Niedergelassene weniger als Idealmodell verstanden – sondern zunehmend als mögliche Konsequenz, falls sich wirtschaftliche und organisatorische Rahmenbedingungen in der vertragsärztlichen Versorgung weiter verschlechtern.


An der Online-Erhebung des änd beteiligten sich vom 22. Bis 25. Juni insgesamt 843 niedergelassene Ärztinnen und Ärzte aus der gesamten Bundesrepublik. Weitere Details der Umfrage wir der änd in den nächsten Tagen veröffentlichen.

 

Wofür steht der änd?

Kostenlos registrieren
(Nur für Ärztinnen/Ärzte )
änd Logo  Unser Politik-Editorial
änd Logo  Unser Medizin-Editorial